Gestern streikten die Kolleginnen und Kollegen aus der Uniklinik Frankfurt zum neunten Mal für ihre Forderungen nach 7% aber mindestens 300€ mehr Gehalt und 200€ für die Auszubildenden und die 300€-Zulage für alle Beschäftigten der Frankfurter Klinik.
Tilda Schenker
Die Arbeitgeber legten in Potsdam erneut kein Angebot vor und auch der Vorstand der Uniklinik verzögert weiterhin die Aufnahme von Verhandlungen um die 300€-Ballungsraumzulage.
Damit versuchen die Arbeitgeber nicht nur, die Forderungen der Kolleginnen und Kollegen klein zu halten. Sie wechseln in dieser Tarifrunde ihre Strategie und Taktik, um die Stimmung für die nächsten Tarifrunden in diesem Jahr für ca. 10 Millionen Beschäftigte vorab abzudämpfen. Auch der Vorstand der Uniklinik versucht weiterhin hinzuhalten. Sowohl in Berlin als auch an der Uniklinik werden die Forderungen als ‚astronomisch‘ abgetan. Es werden Ausreden gefunden, weshalb die Länderkassen leer sein sollen während aktuelle Zahlen eindeutig belegen, dass die Länderkassen noch nie so voll waren, wie in diesem Jahr. Sie versuchen, an den Lohnen der Kolleginnen und Kollegen zu sparen , das Gesundheitswesen in seiner Fülle weiter herunterzufahren während gleichzeitig Milliarden in das sogenannte Infrastrukturprogramm zur Aufrüstung der Kliniken fließt. In Berlin drohen die Arbeitgeber in der Tarifrunde der Länder sogar mit Stellenabbau in allen Bereichen, wenn die Kolleginnen und Kollegen weiterhin für ihre Forderungen kämpfen!
Aber auch an der Uniklinik selbst kam es im Vorhinein mehrfach zu Einschüchterungsversuchen bei Auszubildenden, die gemeinsam versuchten, sich in der Tarifrunde zu organisieren und für ihre Forderung zu streiken, wie bspw. Schulleitungen und Lehrkräfte, die ihre Auszubildenden vom Streiken abhalten wollten.
Doch das hielt viele Kolleginnen und Kollegen nicht davon abauf die Straße zu gehen. Knapp 250 Kolleginnen und Kollegen bestreikten den Früh- und Spätdienst als Resultat eines dreitägigen Streiks in der letzten Woche vor der dritten Verhandlungsrunde.
Mit Sprüchen auf Plakaten wie „Chabos wissen, wer den Laden hält“, „Eure Profite nicht auf unsere Kosten!“ und „Goethe kocht, wir auch“ aber auch während der Streikkundgebung machten die Kolleginnen und Kollegen deutlich, dass sie nicht bereit sind, weiterhin unter diesen Bedingungen an der Uniklinik zu arbeiten. Auch die arbeitende und lernende Jugend, als Kolleginnen und Kollegen in anderen Branchen und Bereichen warenvor Ort und brachten ihre Solidarität gegenüber den Kolleginnen und Kollegen zum Ausdruck. Schließlich ist ihr Streik um eine bessere Gesundheitsversorgung, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen direkt verknüpft mit denBedürfnis von allen nach einer sicheren, ausfinanzierten Versorgung. Damit ist ihr Streik auch ein gesamtgesellschaftlicher Streik.
Die Kolleginnen und Kollegen gaben bekannt, dass es wohl vorerst der letzte Streik in dieser Tarifrunde sein wird, doch der Kampf hat erst begonnen! Auch, wenn in Potsdam ein Ergebnis herauskommt, was vor Ort erneut diskutiert und abgestimmt wird, stehen die Kolleginnen und Kollegen der Frankfurter Unikliniken mit ihren Auseinandersetzungen um eine 300€-Ballungsraumzulage noch am Anfang.

