Ein Blick durch ein Teleskop auf den Mond zeigt eine unwirtliche Welt, bestehend aus Bergen, Schluchten und Ebenen ohne jegliche Vegetation. Unter der Mondoberfläche lagern Mineralien, Seltene Erden, Edelmetalle und andere Rohstoffe, welche Spekulanten und Kapital anziehen, gierig nach Profit. Bergbau auf dem Mond klingt nach Science Fiction – ist es aber nicht. Der Bildungsverlag Friedrich bietet für Schulen mit Sekundarstufe Geographie Unterrichtsmaterial zum Thema ‘Rohstofferkundung und Rohstoffabbau auf Mond und Asteroiden’ an. An der Bergakademie in Freiberg wird der Studiengang ‘Space Resources – Weltraumtechnologien’ angeboten. Ein Studienmodul nennt sich ‘Konzepte zur Erkundung und zum Abbau von mineralischen Rohstoffen auf Mond, Mars und anderen Himmelkörpern’.
Paul Otto
Laut Gerald Sanders vom Johnston Space Centre der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA ist eine Pilotanlage zum Abbau von Mondgestein in Planung. Ein Testbohrgerät ist schon auf dem Mond, 2032 soll es dann in großem Maßstab losgehen. Die Zeitschrift ‘Business Insider’ geht von einer Multimilliarden-Dollar-Industrie aus. In Bezug auf die Eigentumsrechte sei die Ausbeutung der Rohstoffe im Weltall mit den Verhältnissen im Wilden Westen des 19. Jahrhunderts vergleichbar, meint Martin Elvis, Astrophysiker am Smithsonian Astrophysical Observatorium. Wer zuerst kommt, hat das Vorrecht auf die Ausbeutung der Lagerstätten. Noch handelt es sich beim Bergbau auf dem Mond um Projektionen und Wunschträume schwerreicher Multimilliardäre sowie von Staaten wie China, Deutschland und den USA. Wie schnell sie Wirklichkeit werden, wissen wir nicht. Währenddessen wird die Erdoberfläche durch immer neue Fördergebiete von Rohstoffen in Mondlandschaften verwandelt.
Rohstoffabbau – Verwüstung und Vergiftung von Lebenswelten
Wer schon einmal am Rand des Lausitzer Braunkohle-Abbaugebiets oder des rheinischen Braunkohlereviers stand, bekommt eine Vorstellung von den Verwüstungen, welche die Gewinnung von Energieträgern und Rohstoffen hinterlassen. Alleine für den Hambacher Tagebau wurden 63 km² Landschaft, Wald und fruchtbarer Ackerboden zerstört. Manche erinnern sich an die großen Proteste gegen die Zerstörung des Hambacher Forst’s und die Parole: „Hambi bleibt!“. In Deutschland verschwinden jedes Jahr um die 500 km² Ackerfläche. Durch die permanente Expansion der kapitalistischen Produktionsweise werden weltweit immer mehr Menschen zwangsweise umgesiedelt, Wälder gerodet, Flüsse und das Trinkwasser vergiftet. Bergarbeiter und Anwohner leiden unter Atemwegsproblemen und lebensbedrohlichen Lungenerkrankungen. Der Einsatz von giftigen Substanzen wie Quecksilber oder Zyanid führt zu schweren Gesundheits- und Umweltschäden.
Im Norden Schwedens soll ein riesiges Eisenerzvorkommen erschlossen werden. Das Volk der Sami und deren Rentierherden müssen weichen. Eine neue Platinmine führt in Südafrika zur Vertreibung von 7.000 Menschen aus ihrer Heimat. Im Kongo werden Kriege um den Besitz von Bergbauregionen geführt. Unter anderem auf Betreiben der Bundesregierung wird in Kolumbien Kohle gefördert. Das riesige schwarze Loch der kolumbianischen Mine El Cerrejón wird im Volksmund “das Monster” genannt, da es Menschenleben verschlingt. Das Abbaugebiet ist größer als die Fläche Hamburgs. Am Rande der Südsee in den Bergen Papua-Neuguinea’s befindet sich auf fast 4.000 Meter Höhe ein gigantischer Krater mit zwei Kilometern Durchmesser. Täglich werden 700.000 Tonnen Gestein bewegt (die Ladung von 28.000 LKW), um Kupfer und Gold abzubauen. Zum Abtransport der Mineralien zieht sich eine hundert Kilometer lange Schneise durch den Urwald.
Die geplante Zerstörung des Ökosystems Tiefsee
Auf der Suche nach Rohstoffen, haben die Kapitaleigner den Meeresboden entdeckt. Norwegen plant in drei Jahren mit der Lizenzvergabe für den Abbau von Erzen am Grund des Nordmeeres zu beginnen. Das Gebiet liegt zwischen Grönland und Island und hat die Größe Großbritanniens. Angeblich soll das dem Umweltschutz dienen, denn die Mineralien könnten für Batterien in Elektroautos verwendet werden, sagt die Regierung Norwegens. Das der Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee zu massiven ökologischen Problemen führt und absolut gar nichts mit Umweltschutz zu tun hat, liegt auf der Hand. Die potenziell zu erwartenden Schäden des Tiefseebergbaus für das marine Ökosystem sind laut Aussagen von Meeresforschern besorgniserregend.
Die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe erkundet die Möglichkeit Kobalt und Sulfide in der Tiefsee des Pazifiks und des indischen Ozeans abzubauen. Der kanadische Rohstoffkonzern „The Metals Company“ hat bereits in den USA eine Lizenz für den Bergbau in den Tiefen des Pazifiks beantragt. Gemeinsam mit dem Inselstaat Nauru erhielt das Unternehmen von der Meeresbodenbehörde ISA (International Seabed Authority) die Zusage zur Genehmigung eines Pilotversuchs, in welchem 3.600 Tonnen erzhaltiges Gestein aus der Tiefsee gefördert werden. In Erwartung extremer Gewinne hat sich die Schweizerische Nationalbank mit 3 Millionen Franken an dem Unternehmen beteiligt. Für enorme Profiterwartungen ist das Finanzkapital zu jeder Schandtat bereit. Umweltpolitische und moralische Bedenken sind da geschäftsschädigend.
Vernunft und Moral sind keine Kategorien in diesem Gesellschaftssystem
Bei einem von der japanischen Regierung initiiertem zweistündigen Versuch wurde am Meeresboden ein 120 Meter langer Streifen kobalthaltigem Gesteins abgeschürft. Selbst nach einem Jahr fand sich dort nur noch die halbe Menge an Lebewesen pro Kubikmeter wie vor dem Test. Durch den beim testweisen Mineralienabbau entstandenen Gesteinsnebel sind direkt viele Fische und Kleinstlebewesen erstickt. Die innerhalb von zwei Stunden zurückgelassene verwüstete mondähnliche Fläche, inklusive der darüber stehenden Wassersäule, kann von vielen Lebewesen nicht mehr besiedelt werden. Das Leibniz-Institut in Hamburg schreibt „Intakte Meeresökosysteme tragen zur Ernährungssicherheit, Fischerei, Klimaregulierung, wirtschaftlichen Stabilität und Sicherung der Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen bei“. Solche Gesichtspunkte interessieren weder Investoren noch Spekulanten. Vernunft und Moral sind keine Kategorien in diesem Gesellschaftssystem. Den Kapitaleignern muss durch eine grundlegende wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung die Geschäftsgrundlage entzogen werden, bevor die Erde komplett verwüstet wird.

