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Gemeinsamen Aufgaben auf ein höheres Niveau heben

Der Vorstand der DIDF, Föderation der Demokratischen Arbeitervereine, hat sich am 27. Mai in Köln getroffen und hat die 28-jährige Özlem Alev Demirel zu ihrer neuen Vorsitzenden gewählt. Wir sprachen mit ihr über die Aktivitäten der DIDF in der kommenden Zeit und ihren Schwerpunkten.

Herzlichen Glückwunsch. Können Sie sich kurz vorstellen?

Von klein auf bin ich in der DIDF aktiv, ich bin praktisch mit der DIDF aufgewachsen. Bis heute habe ich in der DIDF viele verschiedene Aufgaben und Verantwortungen gehabt und habe versucht, diese gut zu meistern. Diese waren auch nicht nur auf „interne“ Aufgaben eingegrenzt. Ich habe außerhalb der DIDF in verschiedenen politischen Bereichen gearbeitet. Diese waren jedoch immer abgestimmt und in Einklang mit den Zielen und Ansichten der DIDF.

Mit 15 Jahren bin ich in den DIDF-Bundesjungendvorstand gewählt worden, habe aktiv in der SchülerInnenbewegung teilgenommen. Zunächst war ich Sprecherin der LandesschülerInnenvertretung. In dieser Zeit habe ich mich natürlich intensiv mit der Bildungspolitik beschäftigt. Nach dem Abitur bin ich als Vertreterin der DIDF über die PDS/Offene Liste in den Stadtrat gewählt worden. Dort war ich sechs Jahre lang die jüngste Mandatsträgerin. 2010 bin ich als Vertreterin der Partei DIE LINKE ins Landesparlament NRW gewählt worden. Auch dort habe ich immer versucht, die Ziele und das politische Verständnis der DIDF zu vertreten und dahingehend aktiv zu sein. An oberster Stelle stand natürlich immer die Forderung nach gleichen Rechten für MigrantInnen und die Bemühung, dass sich MigrantInnen stärker in Gewerkschaften und Jungendorganisationen beteiligen.

 

Ihr Vorgänger Hüseyin Avgan hat Ihre Wahl stark unterstützt.

Ja, das stimmt. Hüseyin Avgan hat meine Wahl zur Vorsitzenden intensiv unterstützt. Er hat viel dazu beigetragen, dass DIDF heute so weit ist. Er wird weiterhin im Vorstand sein und wichtige Aufgaben übernehmen. Das Mandat, was ich von ihm als Vorsitzende übernommen habe, werde ich nach bestem Wissen und Gewissen ausüben. Auch andere Freunde aus dem Vorstand haben mich darin bestärkt, dass ich den Aufgaben als Vorsitzende gewachsen bin. Aber ich weiß, dass die Verantwortung, die ich als Vorsitzende übernommen habe, sehr groß und keine Aufgabe ist, die ich als Einzelperson bewältigen kann. Wir werden mit allen Vorstandsmitgliedern gemeinsam handeln. Ich bin mir sicher, dass wir diese schwierige aber auch ehrenvolle Aufgabe im Kollektiv meistern werden.

 

Was werden die Ziele und Aktivitäten der DIDF für die nächste Zeit sein?

Seit der Gründung der DIDF haben alle Vorsitzenden versucht, ihre Plattform voranzutreiben und entsprechende Aktivitäten verfolgt. Unser Ziel wird es weiterhin sein, unser Verständnis und unsere Weltanschauung innerhalb von größeren Teilen der Menschen in Deutschland bekannt zu machen. Dafür wird es, wie wir auch in unserer letzten Vorstandsitzung besprochen haben, wichtig sein, zu unseren Aktivitäten mehr Menschen einzubinden und die Anzahl unserer Ortsgruppen und Vereine zu erhöhen. Wir werden in Orten, in denen wir Mitglieder, bisher jedoch keine Ortsgruppen oder Vereine haben, effektivere Aktivitäten durchführen und feste Organisationsstrukturen bauen. Dieses Ziel werden wir bis zu unserer nächsten Konferenz gezielt verfolgen und unsere Organisationen weiter stärken. Das bedeutet, dass wir zielgerichteter arbeiten und planen werden und aus diesem Grund auch stärker sein werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird es nicht ausreichen, dass nur der Vorstand gut arbeitet, es ist von großer Relevanz, dass auch die Ortsgruppen und Vereine auf dieses Ziel hin arbeiten.

 

Worin unterscheiden sich die Inhalte der DIDF im Vergleich zu anderen türkeistämmigen Migrantenorganisationen?

Im Vergleich zu vielen anderen türkeistämmigen Migrantenorganisationen hat die DIDF sehr früh erkannt, dass die türkeistämmigen Menschen hier in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt haben. Daher hat sie ihre politischen Aktivitäten sehr früh darauf ausgerichtet. Das Interesse für die politischen Entwicklungen in Deutschland und darauf aufbauende Forderungen, hat auch eine enge Beziehung mit einer gemeinsamen Zukunft von Deutschen und Migranten und mit gleichen Rechten für Deutsche und Migranten. Unsere heutige Aufgabe ist es, diese Schnittmengen und darauf aufbauende Forderungen und gemeinsamen Aufgaben auf ein höheres Niveau zu heben. Auf der einen Seite bedeutet dies, dass die Beziehungen zu deutschen Organisationen intensiviert werden müssen und auf der anderen Seite heißt das, den Widerstand gegen krisenbedingte Angriffe auf Arbeiter in ganz Europa zu bündeln. Der Widerstand gegen soziale, ökonomische und politische Angriffe ist in anderen europäischen Ländern stark, der Widerstand in Deutschland hingegen entwickelt sich langsamer. Um diesen Widerstand auch in Deutschland besser zu organisieren und zu stärken, ist es für uns wichtig, dass wir viel stärker als bisher mit Gewerkschaften und mit der Sozial- und Friedensbewegung zusammenarbeiten. Weiterhin ist die DIDF ein aktiver Bündnispartner in diversen antirassistischen Aktionsbündnissen. Unsere Aktivitäten in diesem Bereich werden sich auch weiter intensivieren. Denn das Beispiel, dass die NSU 9 Menschen ermordet hat, zeigt uns, dass das Problem Rassismus in Deutschland keineswegs an Bedeutung verloren hat. Ganz im Gegenteil: Rassisten stehen in enger Beziehung zum Staat. Daher werden wir uns, wie wir es seit vielen Jahren tun, dafür einsetzen, dass antifaschistische und -rassistische Bündnisse weiter ausgebaut werden. Unsere langjährige Forderung, dass faschistische Organisationen verboten werden müssen, werden wir stärker in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen.

Es ist auch bekannt, dass in Sachen Kürzungspolitik Migranten am meisten betroffen sind. Unsere Aktivitäten der letzten Jahre gegen Leiharbeit werden wir auch verstärkt vorantreiben. Ein dahingehender Beschluss wurde in unserer Bundesmitgliederversammlung getroffen.

Also werden sich unsere Aufgaben und Verantwortungen in sozialen und politischen Bereichen stärker.

 

Die DIDF ist eine Organisation, die auf die Politik der türkischen Regierung in Bezug auf türkeistämmige Menschen in Deutschland reagiert, aber auch solidarisch mit der Sozial- und Demokratiebewegung in der Türkei ist. Was wird sich die DIDF in diesem Bereich vornehmen?

Es ist bekannt, dass türkische religiös-nationalistische Organisationen seit dem 11. September 2001 die Islamphobie in Deutschland für ihre Interessen nutzen und Mitglieder und Sympathisanten gewinnen konnten. Die DIDF hat sich in diesem Zusammenhang vorgenommen, sich dem Einfluss von religiös-nationalistischen Organisationen auf Migranten verstärkt entgegenzustellen und vermehrt Informations- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Hierzu gehört auch, dem Einfluss der türkischen Regierung auf Migranten in Deutschland entgegenzustellen. Auch wenn unsere Aktivitäten sich im Wesentlichen auf Deutschland beziehen, hat die DIDF schon immer die politischen Entwicklungen in der Türkei mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. So, wie wir in der Vergangenheit auf antidemokratische Politik der türkischen Regierung gegenüber der Presse und Sozial- und Demokratiebewegungen reagiert haben, werden wir auch in Zukunft uns mit dem Widerstand in der Türkei solidarisieren und unsere Standpunkte laut kundtun. Unsere Solidarität mit der Sozial- und Demokratiebewegung in der Türkei und ihre Erfolge werden auch die Sozial- und Demokratiebewegung hier in Deutschland stärken.

Unsere friedenpolitischen Forderungen sind keine abstrakten Forderungen. Diese beziehen sich auf alle Länder, aber insbesondere auf die Türkei. Den Kampf der kurdischen Bevölkerung in der Türkei um Gleichberechtigung, haben wir in der Vergangenheit unterstützt und werden dies auch in Zukunft tun.

 

 

 

 

 Wer ist Özlem Alev Demirel?

Özlem Alev Demirel ist 1984 in Malatya geboren. Sie ist als 5jährige gemeinsam mit ihrer Familie nach Deutschland migriert. Sie hat Bielefeld und Köln die Grundschule und das Gymnasium absolviert. Später schloss sie ihr Politikstudium in der Universität Bonn ab. Bisher hat sie als Vorstandsmitglied der DIDF Jugend, LandesschülerInnenvertretung NRW, Mitglied des Stadtrates Köln, Abgeordnete des Landes NRW und Bundesvorstandsmitglied der DIDF gearbeitet und ist jetzt zur Vorsitzenden der DIDF gewählt worden.

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