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Jugend in Hamburg zum Tag der Befreiung auf der Straße

Mehr als 300 Menschen demonstrierten am 8. Mai in Hamburg zum Tag der Befreiung vom Faschismus. Unter dem Motto „Tag der Befreiung – Chance für Frieden und Demokratie in Europa“ zog die Demonstration vom Jungfernstieg bis zum Rathausmarkt.

Dort beteiligten sich anschließend rund 1000 Menschen an einem Befreiungsfest mit Musik, politischen Reden und Infoständen. 81 Jahre nach dem Sieg über den Hitlerfaschismus durch die Alliierten, der Roten Armee und die antifaschistischen Widerstandsbewegungen stand der diesjährige 8. Mai im Zeichen wachsender Kriegsgefahr, sozialer Angriffe und des Rechtsrucks in Deutschland und Europa.

Organisiert wurde der Tag vom “8.Mai-Bündnis”, in dem antifaschistische Initiativen, migrantische Organisationen, Jugendverbände, Gewerkschaften und linke Parteien zusammenarbeiten. Zu den beteiligten Organisationen gehörten unter anderem die VVN-BdA Hamburg, DIDF Hamburg, Die Linke Hamburg, Linksjugend Hamburg, Jusos Hamburg, DKP Hamburg, Junge GEW Hamburg sowie dem Internationalen Jugendverband. Auffällig war vor allem die starke Beteiligung junger Menschen.

Viele Jugendliche und junge Erwachsene liefen mit Fahnen, selbst gemalten Schildern und Transparenten gegen Krieg und Faschismus mit. Immer wieder wurden Parolen wie „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg“ oder „Hoch die internationale Solidarität“ gerufen. Damit knüpften viele Demonstrierende bewusst an die antifaschistische und antimilitaristische Tradition der Arbeiterbewegung an. Dass gerade junge Menschen den Protest prägten, ist kein Zufall. Während Milliarden für Aufrüstung, Waffenlieferungen und „Kriegstüchtigkeit“ bereitgestellt werden, verschlechtern sich gleichzeitig die Lebensbedingungen vieler Jugendlicher und Arbeiterfamilien. Kürzungen im Bildungsbereich, steigende Mieten und unsichere Arbeitsbedingungen treffen besonders die Jugend. Gleichzeitig versucht die Bundesregierung verstärkt, junge Menschen für Militär und Kriegspolitik zu gewinnen – etwa durch die stärkere Präsenz der Bundeswehr an Schulen und Hochschulen oder die Debatte um neue Wehrdienstmodelle.

In der Bündnisrede auf dem Rathausmarkt wurde diese Entwicklung deutlich kritisiert. Die Veranstalter erklärten, der 8. Mai sei ein Tag der Befreiung und dürfe nicht den Geschichtsfälschungen rechter Kräfte überlassen werden. Seit Jahren fordert das Bündnis deshalb, den 8. Mai bundesweit zum gesetzlichen Feiertag zu machen. In der Rede hieß es: „Uns verbindet eine antifaschistische Grundhaltung und ein Streben nach Frieden und Gerechtigkeit. Kurz: Uns verbindet all das, wofür der 8. Mai als Tag der Befreiung steht.“ Scharf angegriffen wurden außerdem die zunehmende Militarisierung Deutschlands und die Rolle großer Konzerne, die von Krieg und Aufrüstung profitieren.

Während laut der Regierung für die sozialen Bereiche angeblich kein Geld da ist, werden Milliarden in Rüstung und Militär investiert. In der Rede wurde unter anderem auf Rheinmetall und die Umstellung ziviler Produktion auf Kriegsproduktion verwiesen. Auch die Angriffe auf demokratische Rechte wurden thematisiert. Das Bündnis warnte vor wachsender Repression gegen antikriegs- und antifaschistische Bewegungen sowie vor einer Politik, die soziale Unsicherheit mit Rassismus und nationalistischer Hetze beantworte. Die Rechtsentwicklung ist nicht nur ein Problem der AfD, sondern wird auch durch die Politik der etablierten Parteien vorangetrieben. Mehrfach wurde auf den Schwur von Buchenwald Bezug genommen: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Das anschließende Befreiungsfest auf dem Rathausmarkt wurde von vielen Besucherinnen und Besuchern genutzt, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Zwischen Musik, Essen und politischen Diskussionen wurde deutlich: Der antifaschistische Kampf gehört nicht der Vergangenheit an. Gerade in Zeiten von Kriegspolitik, Sozialabbau und wachsendem Rassismus suchen viele Menschen – besonders Jugendliche – nach gemeinsamen Perspektiven des Widerstands und der Solidarität. (NL)

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