Am 8. Mai gingen in 150 Städten und Orten rund 45.000 Schüler zum Schulstreik gegen die Wehrpflicht auf die Straßen. Nicht nur streiken die Schüler bereits zum dritten Mal gegen Militarisierung und Wehrpflicht. Der Schulstreik fiel auch auf den bedeutsamen Jahrestag des 8. Mai, den Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg in Deutschland.
Lale Khoshnoud
Ein wichtiges Zeichen also, genau an diesem Tag laut zu werden, gegen Aufrüstung, Krieg und Faschismus. Die Schülerinnen und Schüler haben klar gemacht, dass sie nicht für Deutschlands Profitinteressen in den Krieg ziehen wollen und sich die derzeitigen Aufrüstungspläne nicht gefallen lassen.
Stattdessen fordern sie mehr Investitionen in Bildung, Soziales und Gesundheit, also echte Investitionen in die Jugend und ihre Zukunft, die aktuell kaputtgespart wird. Die auch weiterhin hohen Teilnehmerzahlen zeigen, dass das Thema für viele junge Menschen noch eine große Relevanz hat.
Organisiert wurde der Streik vielerorts von Schülern, die sich in Streikkomitees an ihren Schulen organisieren und vernetzen. Trotz Schwierigkeiten, wie Repressionen an Schulen und Prüfungsstress, organisieren sie sich in Streikkomitees um auf die Straßen zu gehen für ein Leben in Frieden. Gleichzeitig wird deutlich, wie Politik und auch die Medien versuchen, die Schulstreiks als linksextrem abzustempeln und damit versuchen ihr Potential klein zu halten.
Viele Redebeiträge thematisierten nicht nur die sich zuspitzende Lage im Land, sondern auch die internationale Lage, wie vor allem die Rolle Deutschlands in Kriegen, sei es durch Waffenlieferungen oder die politische Unterstützung von Kriegsparteien wie Israel und den USA.
Dabei wurde auch die Rolle der Rüstungsindustrie sowie als auch der Bundesregieregierung kritisiert, welche sich an Kriegen und Aufrüstung bereichert und Milliarden in Waffen, Panzer und Bundeswehr steckt. Dabei sehen sich viele Schüler mit kaputten Schulen, Lehrermangel und Zukunftsängsten konfrontiert. Genau dort liegt der Widerspruch: Während ihre Zukunft kaputtgespart wird, werden immer neue Milliarden für Militarisierung bereitgestellt und am Ende sollen die Jugendlichen auch noch ihr Leben dafür geben.
Doch der Protest blieb nicht nur auf Schüler beschränkt. Auch Studierende, Azubis und Arbeiter beteiligten sich an den Aktionen. Denn Militarisierung ist am Ende ein gesamtgesellschaftliches Problem und betrifft alle. Genau darin liegt auch das große Potential der Schulstreikbewegung: die Militarisierung in jedem Bereich miteinander zu verbinden und gemeinsamen Widerstand aufzubauen.
In einigen Städten wurden dafür „Studis gegen Krieg“ Bündnisse gegründet, die ebenfalls beim Schulstreik auftraten, zum Beispiel unter dem Motto „Wir lernen nicht für ihre Kriege.“
Damit zeigen sie: die Auswirkungen der Militarisierung enden nicht beim Jahrgang 2008. Auch Studenten sind von steigenden Kosten, kaputtgesparten Hochschulen und Perspektivlosigkeit betroffen und die Forschung immer weiter in den Dienst der Militarisierung gestellt wird.

Anna, Studierende, möchte die Schüler unterstützen.
Anna, Studentin aus Hannover erzählt: „Ich bin heute hier, um die Schülerinnen zu unterstützen, weil Krieg betrifft uns am Ende alle.“
Auch in Hannover gingen circa 700 Schüler auf die Straße. Viele von ihnen erzählten, warum sie streiken.
„Weil ich gegen die Wehrpflicht auf die Straße gehe und ich gegen die Militarisierung der Gesellschaft natürlich auch streiken gehen möchte. Wir merken es überall, in den Schulen, in den Krankenhäusern, im Gesundheitssystem, bei der Rente, bei den Mietkosten. Es sind einfach zu viele Sachen, um alles aufzuzählen. Und es geht mir darum, dass zu verhindern und Krieg zu verhindern und dagegen auf die Straße gehen.“ – Tom

Tom stellt sich gegen die Militarisierung der Gesellschaft
Für viele Jugendliche geht es dabei nicht nur um die Wehrpflicht, sondern grundsätzlich um die aktuelle politische Entwicklung.
„Mir macht der Rechtsruck im Lande extrem viel Angst. Ich denke, dass sich die Gesellschaft immer weiter spaltet, dass wir auf jeden Fall etwas dagegen machen sollten“, sagt eine Teilnehmerin.
„Also, ich bin hier, weil ich einfach mir persönlich denke, dass wenn wir hier so weitermachen mit den Demos, mit dem Streik, dann werden wir das irgendwann mal schaffen, die deutsche Politik, so wie sie gerade läuft, zu verändern. Weil so wie sie aktuell läuft, würde es nicht gut für uns Jugendliche und die Generation nach uns enden“, erklärt eine andere.

Mert ist beim Schulstreik, um gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren
„Ich bin heute hier, um ganz klar zu zeigen, dass wir gegen die Wehrpflicht sind. Die Schüler und Schülerinnen sollen ja bald in die Wehrpflicht eingeführt werden. Und deswegen stehen wir heute hier und haben gestreikt.“ -Mert
„Ich habe Angst, dass ich nicht mehr in Deutschland weiterleben kann, weil es einen Krieg gibt, weil Dritter Weltkrieg ausbricht. Ich will einfach mein Leben so leben können, wie ich es leben will. Und ich glaube, mit der Wehrpflicht wird das nicht mehr funktionieren“, sagt ein Teilnehmer der Demonstration in Hannover.
Auch der Comedian Jonathan Löffelbein war in Hannover mit dabei, weil er „junge Menschen dabei unterstützen möchte, die Wehrpflicht zu verhindern.“
Die Jugend zeigt also klar, dass sie sich nicht benutzen lassen will und sich weiter gegen Militarisierung und Krieg organisieren wird. Durch die anstehenden Sommerferien wird der nächste Schulstreik wahrscheinlich im Herbst stattfinden.

