HANNES WERNER
Wie jedes Jahr am zweiten Maiwochenende fand von letzter Woche Freitag bis Sonntag der Hamburger Hafengeburtstag statt. Überregional bekannt ist dieses Fest für die vielen Schiffe, die die Besucher zu sehen kriegen, sowie für Auftritte von namhaften Künstlern. Parallel dazu fand erneut der alternative Teil des Hafengeburtstags statt, bei welchem linke und fortschrittliche Organisationen und Gruppen ihr eigenes Programm bei leckerem Essen und Getränken angeboten haben.
Krieg und Spiele
Santiano sehen und Schiffe gucken, ohne einen Cent zu bezahlen, ist natürlich erstmal ganz nett, doch das ist leider nicht das einzig erwähnenswerte über den Hafengeburtstag. Die politische Einflussnahme auf dem Hafengeburtstag wächst zunehmend. Dazu zählte einerseits die starke Präsenz der Bundeswehr. Neben einem großen Infostand, konnten Interessierte das Marineversorgungsschiff FGS Rhein besichtigen, an Sportevents der Bundeswehr teilnehmen und sich angucken, wie Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und Bundeswehr einen Rettungseinsatz mit Hubschrauber auf der Elbe übten. Das alles wird selbstverständlich nicht für Schiffsliebhaber oder potenzielle Rettungseinsätze von Zivilisten in Seenot getan, sondern um weiter für mehr Soldaten zu werben und die Bundeswehr zunehmend im Alltag zu normalisieren. Auch der Verband der Reservisten der deutschen Bundeswehr war mit einem Stand vertreten und bewarb diesen auf ihrer Website damit, dass exakt 81 Jahre nach Kriegsbeginn, Resilienz, also Widerstandsfähigkeit, nicht nur noch ein Thema für die Bundeswehr, sondern für die ganze Bevölkerung sei. Das ist mehr als ironisch, angesichts dessen, dass zeitgleich das Gedenken an die Befreier Deutschlands in Berlin behördlich untersagt wurde.
Doch in diesem Jahr wurde der Hafengeburtstag nicht nur zum Zwecke der Militarisierung genutzt, wie man es sowieso schon aus den letzten Jahren kennt. Das beinah größere Thema war die Olympiabewerbung der Stadt Hamburg, über welche am 31.05. bei einem Referendum abgestimmt wird. Nachdem seit Wochen die ganze Stadt mit einer durch Steuergeldern finanzierten Megakampagne zugepflastert ist und es außerdem an jeder Ecke Werbung durch SPD, Grüne und CDU gibt, durfte dies natürlich auch beim Hafengeburtstag nicht fehlen. Doch bei Plakatwerbung und Infoständen blieb es nicht. Stattdessen gab es eine Lichtshow mit 1.100 Drohnen, die über 15 Minuten lang verschiedenste Formen darboten. Nachdem 2015 eine Mehrheit der Hamburger gegen die Olympiabewerbung gestimmt hat, versucht die Stadt Hamburg, die Herzen der Bevölkerung mit massig Steuergeldern zu gewinnen. Diese sind dabei nur ein Vorgeschmack auf die Kosten, die auf die Hamburger zukommen, sollte es tatsächlich Spiele in Hamburg geben. Die Gegenbewegung “NOlympia” verfügt hingegen über keine großen Geldtöpfe, wodurch kaum von einer demokratischen Abstimmung gesprochen werden kann.

Indoktrination auf der einen, Solidarität auf der anderen Seite
Doch das ist nur die eine Seite des Hafengeburtstags. Wie jedes Jahr, gab es erneut den alternativen Hafengeburtstag, auf welchem anstatt von Olympia- und Bundeswehrwerbung, Halay und Cumbia getanzt wird und Slogans für bezahlbaren Wohnraum für alle zu lesen sind. Unter den vertretenen Organisationen und Initiativen waren ebenfalls zum wiederholten Male auch die DIDF, die DIDF-Jugend, der Migrantinnenbund, der Internationale Jugendverband, sowie der Altonaer Solidaritätsverein mit Ständen vertreten. Verkauft wurden Gözleme, Fleisch und Çiğ Köfte. Außerdem durften sich Besucher über billige Getränke freuen. Ein Besucher berichtete: “Hier kann man sich das Bier ja noch leisten, da unten verkaufen sie einen halben Liter im Becher für 8,50€”. Ermöglicht wurde das alles durch die freiwillige Arbeit von dutzenden Jugendlichen und Erwachsenen, die unabhängig von Herkunft, Alter und Sprache gemeinsam hinter den Ständen standen. Es wurde gemeinsam getanzt und gelacht. So sollten mehr Feste aussehen und nicht, wie einige Meter weiter, das Geld der arbeitenden Menschen ausgegeben werden, um sie von Dingen zu überzeugen, die gar nicht in ihrem Interesse sind!

