Vom 24. bis 26. April 2026 kamen in Stuttgart mehr als 300 aktive Gewerkschafter*innen aus allen ver.di-Fachbereichen zur bundesweiten Aktivenkonferenz zusammen. In über 50 Workshops ging es darum, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam daran zu arbeiten, wie gewerkschaftliche Stärke im Betrieb weiter wachsen kann.
Viele Gespräche drehten sich um ganz praktische Fragen aus dem Alltag gewerkschaftlicher Arbeit: Wie gelingt es, erfolgreiche Tarifkampagnen auf neue Situationen zu übertragen? Wie können neu gewonnene Kolleg*innen gut eingebunden werden? Und wie erreichen wir Beschäftigte, die bisher noch nicht organisiert sind? Immer wieder wurde deutlich, wie wertvoll der Austausch über Betriebs- und Branchengrenzen hinweg ist.
Die Workshops zeigten dabei die Breite und Vielfalt gewerkschaftlicher Praxis. So wurde etwa diskutiert, wie neue Initiativen wie „Azubis gegen Rechts“ entstehen und welche Chancen in der Zusammenarbeit mit ihnen liegen – aber auch, wie sich unterschiedliche Strukturen gut miteinander verbinden lassen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Organisierung in stark wachsenden, aber schwer zugänglichen Bereichen wie bei Amazon, wo in den vergangenen Jahren vielerorts Betriebsratsstrukturen aufgebaut werden konnten. Auch die Frage, wie Beschäftigte in ausgelagerten Servicebereichen gemeinsam handlungsfähig werden, spielte eine wichtige Rolle.
Politisch prägten die aktuellen Auseinandersetzungen um den Sozialstaat die Konferenz. Das Thema zog sich dabei durch die gesamte Veranstaltung und wurde in verschiedenen Beiträgen der Teilnehmenden aufgegriffen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Widerstand gegen den zunehmenden Druck auf den Sozialstaat vor Ort organisiert werden kann.
Dabei wurde betont, dass es entscheidend ist, nicht bei der Kritik stehen zu bleiben, sondern sie mit konkretem Handeln zu verbinden. Deutlich wurde: Die aktiven in der Gewerkschaft müssen sicherstellen, dass die Gewerkschaften von unten beginnend die Proteste gegen den Sozialabbau organisieren. Für diese Proteste brauche es Bündnisse, bei denen nicht länger gewartet, sondern selbst in eine aktive Rolle gegangen werden muss.
Zudem wurde diskutiert, wie unterschiedliche gesellschaftliche und gewerkschaftliche Kämpfe stärker zusammengeführt und gemeinsame Proteste entwickelt werden können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich Gewerkschaftsarbeit verändert und weiterentwickeln muss. Solidarität entstehe nicht abstrakt, sondern dort, wo Menschen gemeinsam handeln, streiten und sich unterstützen.
Viele Aktive beschrieben genau diesen Austausch als zentralen Gewinn der Konferenz. So sagte eine Teilnehmerin: „Wir gestalten viele neue Formate, um mehr Mitglieder zu erreichen.“ Ein anderer Teilnehmer fasste es so zusammen: „Es war sehr bereichernd, so viele Kolleg*innen zu treffen und gute Ideen mitzunehmen, auf die ich selbst nicht gekommen wäre.“ (NL / Stuttgart)

