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Grenzenlose Solidarität: Viertes Solidaritätsfestival der FNV veranstaltet

In Zeiten zunehmender imperialistischer Konflikte, verschärfter Angriffe auf Arbeitsrechte und des weltweiten Erstarkens rechter Kräfte veranstaltete der niederländische Gewerkschaftsbund FNV am 19. September 2026 unter dem Motto „Grenzenlos solidarisch“ sein viertes Internationales Solidaritätsfestival. Die Zusammenkunft von 150 Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern setzte ein klares Signal: Die Antwort auf die weltweite Ausbeutung durch das Kapital kann nur im gemeinsamen, organisierten Kampf über Ländergrenzen hinweg liegen.

Gegen Rechtsabbau und Krieg: Solidarität mit Palästina und LGBTI+ in der Türkei

Bereits die Eröffnungsplenarsitzung widmete sich einer der brennendsten Fragen der Gegenwart: der fortschreitenden Erosion des Völkerrechts. Neben Beiträgen des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC) standen die Stimmen von Gewerkschaftsinitiativen wie „Solidair met Palestina“ (Solidarisch mit Palästina) im Zentrum der Debatten. Der dramatischen Lage der Kolleginnen und Kollegen im palästinensischen Gesundheitswesen in Gaza wurde darüber hinaus ein eigener Workshop mit Referenten von Ärzte für Gaza und des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) gewidmet.

Auch wurde auf Initiative des Netzwerks Regenbogen der FNV eine Solidaritätserklärung (s. Infobox) mit der queeren Community, die in der Türkei von Repression betroffen ist, verlesen und ein Solidaritätsfoto geschossen.

Antirassismus und Selbstorganisierung

Ein zentraler Schwerpunkt, der den Nerv der gewerkschaftlichen Debatten traf, war der Kampf gegen Rassismus. Im Workshop „Antirassismus in der Gewerkschaftsbewegung: Zeit für Selbstorganisierung“ diskutierten Vertreter von UNISON (Großbritannien), ver.di und DIDF darüber, wie Konzerne und Arbeitgeber seit jeher Rassismus und die gezielte Entrechtung von Arbeitsmigranten nutzen, um Löhne zu drücken und die Belegschaften zu spalten. Vor diesem Hintergrund wurden über konkrete Erfahrungen mit Strukturen migrantischer Selbstorganisierung diskutiert und die Bedeutung selbstständiger Organisierung in der Gewerkschaftsbewegung im Allgemeinen betont.

Von den Plantagen bis zu geheimen Konzernklagen

Die Bandbreite der internationalen Arbeitskämpfe spiegelte sich in den verschiedenen Fachforen wider:

Arbeitsmigration in der Landwirtschaft: Gewerkschafter aus Marokko, Spanien und Italien analysierten die brutalen Ausbeutungsverhältnisse auf den Feldern Südeuropas und erarbeiteten gemeinsame Strategien für eine grenzüberschreitende Organisierung.

Konzernjustiz stoppen: Die Kampagne Handel Anders beleuchtete, wie internationale Schiedsgerichte – wie etwa im Streit um die Schließung der Gasfelder in Groningen – von multinationalen Konzernen genutzt wurden, um Staaten im Profitinteresse zu verklagen und demokratische Entscheidungen zu erpressen.

Frauen an vorderster Front: Das globale Netzwerk International Palm Oil Workers United brachte Gewerkschafterinnen aus Kolumbien, Indonesien und Ghana zusammen. Sie schilderten ihren mutigen Kampf gegen sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz und für existenzsichernde Löhne in der industriellen Landwirtschaft.

Zeit für Organisierung

Das FNV-Festival machte deutlich: Ob in der Abwasserwirtschaft in Indien und Nepal, im Bildungssektor in der kriegserschütterten Ukraine oder auf den Agrarfeldern Südeuropas – die Probleme der Lohnabhängigen wurzeln überall im selben globalen Profitsystem. Wirksamer Widerstand beginnt im Betrieb, benötigt aber zwingend den internationalen Schulterschluss. Nur wenn Arbeitskämpfe, Antirassismus und Friedensarbeit zusammengeführt und konsequent von unten organisiert werden, erwächst daraus die Gegenmacht, die den Herrschenden die Stirn bieten kann.

 

Erklärung der FNV an die Kolleg*innen in der Türkei: Solidarität kennt keine Grenzen

Mit großer Sorge verfolgen wir die Ereignisse in der Türkei, wo LGBTI+-Organisationen, Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger mit Razzien, Verhaftungen und einer weiteren Einschränkung ihres Spielraums, sich frei zu organisieren und zu äußern, konfrontiert sind. Organisationen, mit denen wir in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben, darunter Kaos GL, sind direkt betroffen.

Als Netzwerk Regenbogen FNV stehen wir Schulter an Schulter mit unseren Kolleg*innen, Partner*innen und Freund*innen in der Türkei. Gerade jetzt, wo sie unter großem Druck stehen, möchten wir ihnen versichern: Ihr seid nicht auf euch allein gestellt.

Jeder hat das Recht, er selbst zu sein, sich zusammenzuschließen und für gleiche Rechte einzutreten, ohne Angst vor Einschüchterung oder Verfolgung. Wir bekunden unsere Solidarität mit allen LGBTI+-Menschen und -Organisationen, die sich weiterhin für Freiheit, Gleichberechtigung und Menschenwürde einsetzen.

An unsere Partner und Freunde in der Türkei: Wir sehen euch, wir hören euch und wir unterstützen euch!

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