Beim deutschen Automobilriesen Volkswagen reißen die Turbulenzen nicht ab. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat den vom Vorstand ausgearbeiteten radikalen Spar- und Restrukturierungsplan am Donnerstag einstimmig beschlossen. Mit dem sogenannten „Zukunftsplan 2030“ sollen konzernweit rund 50.000 weitere Stellen abgebaut werden. Die Zukunft von vier Werken in Deutschland bleibt derweil ungewiss.
Die Transformationsprobleme der Automobilindustrie und der zunehmende Marktdruck durch Wettbewerber aus Asien zwingen Volkswagen, das als Flaggschiff der deutschen Industrie gilt, zu einem tiefgreifenden Umbau. Der VW-Aufsichtsrat stimmte am Donnerstagabend dem vom Vorstand vorgelegten umfassenden Industrie- und Sparpaket zu.
Ziel: Profitabilität auf 9 Prozent steigern
Der sogenannte „Zukunftsplan 2030“ sieht vor, die operative Umsatzrendite des Unternehmens bis 2030 auf neun Prozent zu steigern. VW-Chef Oliver Blume bezeichnete den Beschluss als „ein starkes Signal für die Zukunft der Volkswagen Group“.
Doch die Rechnung für dieses Profitabilitätsziel wird erneut maßgeblich von den Beschäftigten getragen. Im Rahmen des Plans sind unter anderem folgende Maßnahmen vorgesehen:
- Rund 50.000 weitere Stellen sollen weltweit abgebaut werden.
- Die Produktionskapazität in Europa soll um jährlich 500.000 Fahrzeuge reduziert werden.
- Die Modellpalette soll um die Hälfte verkleinert werden. Modelle mit schwacher Nachfrage wie der Touran sollen auslaufen. Gleichzeitig soll die Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor schrittweise beendet werden.
Vier Werke ohne gesicherte Zukunft
Der heikelste Punkt des Sparpakets betrifft die Produktionsstandorte in Deutschland. Nach dem Beschluss ist für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm über das Jahr 2031 hinaus derzeit kein wettbewerbsfähiges Modell zur Produktion vorgesehen.
Das Management kündigte an, für diese vier Werke alternative Nutzungskonzepte zu prüfen. Die endgültigen Entscheidungen über die Zukunft der Standorte sollen bis Mitte 2027 getroffen werden.
Gewerkschaft und Betriebsrat stimmen zu
Dem Sparpaket gingen harte Auseinandersetzungen voraus, dennoch wurde letztlich eine einstimmige Entscheidung erzielt.
Die Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats, Daniela Cavallo, erklärte zum Beschluss: „Der Zukunftsplan ist eine Notwendigkeit, um unseren Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen“.
Auch IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner erklärte gemeinsam mit Cavallo: „Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen waren nicht zielführend. Beides hat konzernweit in der Belegschaft zu großer Verunsicherung geführt. Die Arbeitnehmerseite hat gemeinsam mit dem Land Niedersachsen in dieser Situation einmal mehr Verantwortung übernommen, eine gefährliche Eskalation des Konflikts verhindert und den Weg für tragfähige Lösungen geebnet. Dafür haben sich alle aufeinander zubewegt.”
In der Erklärung heißt es weiter: “Wir sehen die Herausforderungen, vor denen der Konzern steht, und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und unseren Beitrag zu leisten. Das haben wir heute erneut unter Beweis gestellt. Die Arbeit fängt jetzt erst an. Was wir jedoch auch weiterhin niemals akzeptieren werden, ist die Lasten einseitig den Beschäftigten aufzubürden.” Die Finanzmärkte bewerteten die Entwicklung positiv. Nach der Entscheidung stieg die Volkswagen-Aktie bis zum Börsenschluss um mehr als 7,5 Prozent.

