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38 Prozent der Studierenden leben unterhalb der Armutsgrenze

Hohe Mieten und steigende Lebenshaltungskosten erschweren Studierenden in Deutschland die Sicherung ihres Lebensunterhalts. Bei alleinlebenden Studierenden liegt die Armutsgefährdungsquote bei 82 Prozent. Sozialverbände fordern deshalb eine Erhöhung der BAföG-Sätze und eine regelmäßige Anpassung der Wohnkostenpauschale.

Rund 38 Prozent der Studierenden in Deutschland sind von Armut bedroht. Das geht aus einer neuen Studie des Paritätischen Gesamtverbands hervor. Demnach belasten insbesondere die hohen Wohnkosten die wirtschaftliche Situation der Studierenden. Am stärksten betroffen sind alleinlebende Studierende.

Laut der Studie, die auf Daten des Statistischen Bundesamtes basiert, sind rund 82 Prozent der alleinlebenden Studierenden armutsgefährdet. Bei Studierenden, die in Wohngemeinschaften (WGs) leben, liegt der Anteil bei knapp 70 Prozent. Bei Studierenden, die bei ihren Eltern oder mit einer erwerbstätigen Person zusammenleben, beträgt er dagegen rund 42 Prozent.

 

Der große Teil des Einkommens geht für die Miete drauf

Der Studie zufolge liegt das monatliche Medianeinkommen alleinlebender Studierender bei 900 Euro. Davon geben sie durchschnittlich 461 Euro für die Miete aus. Für andere grundlegende Bedürfnisse wie Lebensmittel, Kleidung, Kommunikation und Lernmaterialien bleiben ihnen somit monatlich nur 439 Euro.

Auch die Situation von Studierenden in WGs ist kaum besser. Obwohl ihr monatliches Medianeinkommen bei 1.222 Euro liegt, belaufen sich ihre Wohnkosten durchschnittlich auf 795 Euro. Von den verbleibenden 427 Euro müssen sie sämtliche weiteren Ausgaben bestreiten.

Greta Schabram, eine der Autorinnen der Studie, bezeichnet die Wohnkosten als einen der Hauptgründe für Armut. Ihr zufolge kann das Geld, das Studierenden nach Abzug der Wohnkosten bleibt, sogar unter dem Betrag liegen, der im Rahmen der Sozialleistungen zur Sicherung des grundlegenden Lebensunterhalts vorgesehen ist.

Bei Studierenden, die bei ihren Eltern oder mit einer erwerbstätigen Person zusammenleben, wird das Haushaltseinkommen in die Berechnung einbezogen. Ihre wirtschaftliche Situation lässt sich deshalb nicht allein anhand des individuellen Einkommens der Studierenden beurteilen.

 

BAföG-Sätze sind unzureichend

Auch die geplante BAföG-Reform, die die finanzielle Situation der Studierenden verbessern soll, steht in der Kritik. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, hält die geplanten Änderungen sowohl für verspätet als auch für unzureichend.

Für Studierende, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen und über deren Familienversicherung krankenversichert sind, beträgt der BAföG-Höchstsatz derzeit 855 Euro. Nach den aktuellen Plänen soll der Wohnkostenzuschlag im Sommersemester 2027 auf 440 Euro steigen. Der Grundbedarf soll im Wintersemester 2027/2028 auf 503 Euro und im Sommersemester 2029 auf 563 Euro angehoben werden. Darüber hinaus ist geplant, die Einkommensgrenzen für Eltern anzuheben, die darüber entscheiden, ob Studierende Anspruch auf Unterstützung haben.

Rock kritisiert, dass diese Erhöhungen nicht ausreichen. Seiner Einschätzung nach würde mit der geplanten Reform erst im Jahr 2029 wieder das Existenzminimum von 2024 erreicht. Zugleich weist er darauf hin, dass die finanzielle Unsicherheit jungen Menschen aus wirtschaftlich benachteiligten Familien den Zugang zu einem Studium erschweren kann.

 

Zahl der BAföG-Empfänger sinkt 

Die Probleme des studentischen Fördersystems spiegeln sich auch in der Zahl der BAföG-Empfänger wider. Der Studie zufolge sank die Zahl der Studierenden, die BAföG beziehen, im Jahr 2025 erstmals auf unter 300.000. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von rund acht Prozent. Die Daten zeigen, dass die Zahl der geförderten Studierenden seit 2012 insgesamt rückläufig ist.

Matthias Anbuhl, Vorsitzender des Deutschen Studierendenwerks, berichtet, dass in den Sozialberatungsstellen der Studierendenwerke Fragen zur Finanzierung des Studiums, zu Mietkosten und zum Bedarf an kostenlosen oder vergünstigten Mahlzeiten in den Mensen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Seiner Einschätzung nach stellen finanzielle Schwierigkeiten ein erhebliches Hindernis für einen erfolgreichen Studienabschluss dar.

Anbuhl weist außerdem darauf hin, dass junge Menschen aus einkommensschwachen Familien aus Angst vor einer Verschuldung häufig davor zurückschrecken, BAföG zu beantragen. Vielen sei zudem nicht ausreichend bekannt, dass der zurückzuzahlende Anteil des BAföG-Darlehens auf maximal 10.000 Euro begrenzt ist.

 

Wohnkostenzuschuss muss regelmäßig angepasst werden 

Die Autorinnen und Autoren der Studie fordern, die Unterstützung für den grundlegenden Lebensunterhalt der Studierenden früher zu erhöhen und den Wohnkostenzuschuss regelmäßig an die Entwicklung der Mietkosten anzupassen.

Der Paritätische Gesamtverband lehnt den Vorschlag ab, die Finanzierungslast durch nach dem Einkommen der Eltern gestaffelte Studiengebühren auf die Studierenden zu verlagern. Stattdessen müssten Ungleichheiten zwischen verschiedenen Einkommensgruppen über das Steuersystem ausgeglichen werden.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass der Zugang zu einem Hochschulstudium in Deutschland nicht allein von der akademischen Leistung abhängt. Entscheidend ist auch, ob Studierende in der Lage sind, ihre Wohnkosten und die Ausgaben für ihren grundlegenden Lebensunterhalt zu finanzieren.

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