Monatelang hatten die in Hamburg regierenden Parteien SPD und Grüne, die größte Oppositionspartei CDU sowie Wirtschaftsvertreter und ihre Verbände für ein „Ja“ beim Olympia-Referendum geworben. Doch ihre Argumente reichten letztlich nicht aus, um die Mehrheit der Bevölkerung zu überzeugen.
Neues Leben / Hamburg
Demgegenüber organisierte die Initiative „Nolympia“, die von zahlreichen Initiativen und Organisationen, darunter insbesondere Die Linke, getragen wurde, eine breit angelegte Gegenkampagne. Auch DIDF Hamburg unterstützte die Initiative und trug zur Stärkung des Widerstands gegen die Olympiabewerbung bei. Das Referendum hat gezeigt, dass politische Auseinandersetzungen gewonnen werden können, wenn sich unterschiedliche gesellschaftliche Kräfte zusammenschließen und gemeinsam handeln.
Beim Olympia-Referendum am letzten Maiwochenende sprach sich die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger gegen eine Bewerbung der Stadt um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele aus. Damit zieht Hamburg seine Kandidatur zurück. Für die Gegner der Olympiabewerbung ist das Ergebnis ein deutlicher Erfolg. Die Auszählung wurde um 20.31 Uhr abgeschlossen. Demnach stimmten 54,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler (357.911 Stimmen) gegen die Bewerbung Hamburgs, während 45,1 Prozent (293.819 Stimmen) dafür votierten. Insgesamt beteiligten sich 651.730 Hamburgerinnen und Hamburger an der Abstimmung. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,6 Prozent. Das offizielle Endergebnis des Referendums wird spätestens am 25. Juni erwartet.
Der Vorsitzende des Bewerbungskomitees, Steffen Rülke, erklärte nach Bekanntwerden des Ergebnisses, dass man – wie im Sport – auch Niederlagen akzeptieren müsse. Zugleich wünschte er den anderen deutschen Bewerberstädten viel Erfolg. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hält weiterhin an Bewerbungen aus Berlin, München und der Rhein-Ruhr-Region fest; Hamburg ist nach dem Referendum nicht mehr Teil des Verfahrens.
Vertreter von Wirtschaft und Politik reagierten enttäuscht auf das Abstimmungsergebnis. Norbert Aust, Präsident der Handelskammer, erklärte, die Zukunft der Stadt hänge zwar nicht von den Olympischen Spielen ab. Dennoch werde es künftig schwieriger sein, im Wettbewerb um Bundesmittel für Großprojekte wie die neue Köhlbrandbrücke oder die Modernisierung des Hauptbahnhofs gegenüber einer möglichen deutschen Olympiastadt zu bestehen.
Die Befürworter der Olympiabewerbung hatten wiederholt argumentiert, die Spiele würden kostengünstiger und nachhaltiger ausgerichtet als in der Vergangenheit. Zudem verwiesen sie auf erhebliche zusätzliche Finanzmittel des Bundes. Diese Versprechen konnten jedoch viele unentschlossene Wählerinnen und Wähler nicht überzeugen. Am Ende sprach sich eine deutliche Mehrheit gegen die Bewerbung aus.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erklärte in einer ersten Reaktion, viele Menschen, die sich auf die Spiele gefreut hätten, seien nun enttäuscht. „Auch ich bin zutiefst betrübt über das Abstimmungsergebnis“, sagte er. Zugleich informierte er den DOSB darüber, dass Hamburg seine Bewerbung zurückziehen werde.
Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative „Nolympia“, wertete das Ergebnis als deutliches Signal. Mit dem zweiten „Nein“ habe Hamburg ein Zeichen für Fairness und Teamgeist gesetzt. Die Versprechungen des Senats seien wenig glaubwürdig gewesen. Dies gelte auch für den Finanzplan, der die milliardenschweren Kosten für Sicherheitsmaßnahmen und den Bau eines Olympiastadions weitgehend ausgeblendet habe. „Diese Abstimmung sollte den Hamburger Politikern eine Lehre sein: Die Bevölkerung dieser Stadt will kein weiteres Prestigeprojekt“, erklärte Maudrich.

