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Solidarität trotzt dem Regen: 2.500 Menschen beim Altona-Stadtteilfest gegen Rassismus und Aufrüstung

Unaufhörlicher Regen prägte am 4. Juni 2026 das Bild auf dem Kemal-Altun-Platz in Hamburg Altona. Doch trotz des Wetters zog das traditionelle Altonaer Stadtteilfest („Altona Semt Şenliği“) rund 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Veranstaltet vom Altonaer Solidaritätsverein, der der Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DIDF) angehört, sowie rund 20 weiteren unterstützenden Organisationen und Initiativen wie den Gewerkschaftsjugenden und Stadtteilgruppen, bot die Veranstaltung ein dichtes Programm aus politischer Debatte und vielfältigen Kulturbeiträgen.

Eine lebendige Tradition in Zeiten der Spaltung

Seit mehr als zehn Jahren bildet das Stadtteilfest eine feste Konstante im Altonaer Kulturkalender. Die Notwendigkeit dieser Plattform betonten die Veranstalter in ihrer Eröffnungsrede vor dem Hintergrund der aktuellen Kürzungen im sozialen Bereich sowie den wachsenden Spaltungsversuchen. Und auch die beispiellose Militarisierung und die vielen Kriegsgebiete wie die Ukraine, Syrien, der Iran, Rojava und Palästina machten dieses Stadtteilfest auch dieses Jahr wieder notwendiger denn je. Vor diesem Hintergrund wurde das Fest bewusst unter das Motto „Gegen Rassismus und Aufrüstung“ gestellt.

Die Kraft der kollektiven Vorarbeit

Dass die Veranstaltung bei freiem Eintritt realisiert werden konnte, war das Ergebnis einer intensiven, wochenlangen Vorarbeit durch die Vereinsmitglieder. Neben Beruf, Ausbildung und Familie wurden im Vorfeld Soli-Tickets verkauft, die Logistik geplant und Flyer in der gesamten Stadt verteilt. Der Festtag selbst begann frühmorgens mit einem kollektiven Aufbau unter anhaltendem Regen, bei dem Zelte gesichert und die Bühnentechnik wetterfest aufgebaut werden mussten.

Rund um den Platz sorgten zahlreiche Stände für Spaß und ein breites Informationsangebot: Neben Klassikern am Grill und erfrischenden Getränken gab es frisch zubereitete Gözleme. Außerdem luden ein Siebdruck-Stand, diverse Info-Tische sowie Buchstände zum Stöbern und Austauschen ein.

Das Nachmittagsprogramm startete ab 14:00 Uhr mit verschiedenen interaktiven Workshops. Die inhaltlichen Schwerpunkte lagen hierbei auf den Themen „Gastarbeit und Rassismus“, „Frau und Gesundheit“, „Frau und Gewaltschutz“ sowie praktischen Fragen zur gesellschaftlichen Organisierung. Jugendliche konnten zudem an einem Graffiti-Workshop teilnehmen.

Parallel dazu kamen auch die jüngsten Besucher voll auf ihre Kosten: Ein buntes Kinderprogramm bot mit Trommeln, einem kreativen Tüchertheater, Kinderschminken, einer großen Hüpfburg und einer eigenen Kinderzeitschrift jede Menge Möglichkeiten zum Mitmachen.

Zwischen politischem Austausch und Kulturprogramm

Ein zentraler Programmpunkt war das anschließende Podium zu sozialen Kürzungen, bei dem Vertreterinnen und Vertreter der DIDF, des IJV, des Migrantinnenbundes sowie befreundeter Organisationen als Redner auf der Bühne standen. In Anlehnung an die Eröffnungsrede wurde diskutiert, wie Errungenschaften der Arbeiterbewegung – wie der Achtstundentag, Regelungen zu Krankschreibungen oder das Renteneintrittsalter – zunehmend unter Druck geraten, während Lebenshaltungskosten und Mieten steigen. Besonders beleuchtet wurde die Situation von Beschäftigten im Niedriglohnsektor, in dem türkeistämmige Arbeiter nach wie vor überproportional oft in prekären Verhältnissen tätig sind.

Am späten Nachmittag verlagerte sich das Geschehen vollständig auf die Hauptbühne. Den musikalischen Auftakt gestalteten das Duo Didem und Gökhan. Es folgte das Kulturprogramm des Chors des Migrantinnenbundes (Göçmen Kadınlar Birliği Korosu), das durch eine Rhythmusgruppe ergänzt wurde.

Als Ilhan und Ali mit Davul und Zurna auftraten, formierten sich auf dem Platz große, gemeinsame Halay-Tanzketten. Das anschließende Duo Hayal und Hüseyin setzte das Programm mit klassischen Bağlama-Melodien fort.

Ein legendärer Abschluss

Den absoluten Höhepunkt des Abends bildete der Auftritt der anatolischen Rock-Legenden Moğollar, die das Publikum trotz des anhaltenden Regens bis zum Ende begeisterten. Und dann zum Schluss kam sogar die Sonne raus und gab allen noch einmal Motivation, um gestärkt und gemeinsam den Abbau anzugehen.

Die Veranstalter zogen ein positives Fazit und betonten die Bedeutung der gemeinschaftlichen Organisation: „Gemeinsam haben wir diesen Tag möglich gemacht und das zeigt einmal mehr, dass wir, die DIDF, der IJV, der Migrantinnenbund und alle anderen befreundeten Organisationen, so viel erreichen können, wenn wir alle mitmachen.“ Das Fest endete also mit dem gemeinsamen Leitspruch: Birlikte güçlüyüz – Gemeinsam sind wir stark!

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