„Zu teuer“ rapt Dahabflex mitten auf der Bockenheimer Warte in Frankfurt. Während Kulturangebote, wie auch sonst alles im Leben, immer teurer werden, fließen Milliarden in Aufrüstung und Krieg. Das Kulturcampus OpenAir setzte unter dem Motto „für Solidarität und Zusammenhalt“ ein Zeichen gegen Rassismus, Krieg und Sozialabbau.
Elias Manzanares*
Nicht jeden Tag kommen Tausende von jungen Menschen mitten auf einem öffentlichen Platz zusammen, um auf einem kostenlosem Musikfestival mitzufiebern. Die Bockenheimer Warte in Frankfurt am Main ist eigentlich von Auto- und Busverkehr geprägt, im ehemaligen Uni-Hauptcampus ist nur noch ein Fachbereich angesiedelt, der bald umziehen wird. Doch jedes Jahr zu Beginn des Sommers erwacht der „Kulturcampus“ zum Leben, zu dem zahlreiche Acts, leckeres Essen, ein Flohmarkt und viel mehr gehört. So auch diesen Samstag, am 7. Juni.
Alyzah, KuzengKerim und Redd sind nur ein paar der Acts eines Festivals, das Dahabflex am Abend vor mehreren Tausend jungen Leuten beendete. Den Tag über waren es 5.000, die zusammen Kultur schufen, völlig kostenlos. Die Gruppe „Bandista“ reiste eigens für ihren Auftritt aus der Türkei an, die Jungen Arbeiter eroberten Frankfurt von Stuttgart kommend.
Organisiert wurde das Programm auf der Bühne Nord des Kulturcampus OpenAir-Festivals u.a. vom Internationalen Jugendverband (IJV), der DIDF-Jugend und den Gewerkschaftsjugenden des DGB, IG Metall und ver.di. Der Migrantinnenbund Frankfurt und DIDF Frankfurt sorgten für leckeres Essen, die Falken und der Verband binationaler Familien und Partnerschaften organisierten ein Kinderprogramm.

Warum es solche Festivals braucht
Das Kulturcampus OpenAir reiht sich in eine Reihe von Festivals ein, die aktuell bundesweit stattfinden, so kürzlich in Hamburg mit über 6.000 Jugendlichen. Überall in Deutschland setzen die Festivals ein Zeichen gegen die Aufrüstung. „Die Politik in Deutschland treibt „die Aufrüstung voran und bereitet sich zielstrebig auf Kriege vor“, wie Rojda von der DIDF-Jugend in ihrer Rede zusammenfasste. Jugendliche geraten besonders ins Visier, denn „sie brauchen unsere Körper als Kanonenfutter auf dem Schlachtfeld und unsere Arbeitskraft für die Forschung und Produktion von Waffen“.
Während die Aufrüstung vorangetrieben wird, verstehen die auftretenden Künstler allesamt ihre Musik als politisch und stehen für Solidarität und Zusammenhalt, wie das Motto des Festivals lautete. Lara vom IJV ergänzte: „Was wir brauchen, ist eine starke, solidarische, geeinte Jugend, die sich all das nicht mehr gefallen lässt, sondern auf die Straße geht und für das kämpft, was ihr zusteht!“ Dazu gehört auch zugängliche Kultur, statt immer teurere Eintrittskarten in Theater und Kino, wie Alicia vom frisch gegründeten Internationalen Solidaritätsverein Bockenheim betonte. Das Kulturcampus OpenAir stellt klar, dass Kultur uns allen gehört, während kommerzielle Festivals längst „zu teuer“ sind, wie Dahabflex weiß.

Nicht nur mit Musik füllte sich Frankfurt-Bockenheim, auf dem Uni-Campus gab es, neben der zweiten Bühne „Süd“, einen Flohmarkt und Infostände zahlreicher Initiativen aus dem Stadtteil. So beispielsweise die Kunsthalle Schirn und das bekannte Senckenbergmuseum oder das Offene Haus der Kulturen, das den bald ehemaligen Standort der Goethe-Uni wiederbeleben möchte. Gemeinsam setzten sie alle im Bündnis „Zweite Chance Campus Bockenheim“ ein Zeichen für Solidarität und Zusammenhalt.
*zuerst erschienen bei jung&laut

