Der Internationale Jugendverband (IJV) veranstaltet am 29. – 31. Mai seine Delegiertenkonferenz in Frankfurt. Wir haben mit Hannes vom Bundesvorstand des IJV über das vergangene Jahr, die Fortschritte der Arbeit und die kommende Zeit gesprochen.
Der IJV hatte vor einem Jahr seinen Gründungskongress, welche Schritte seid ihr in dem einen Jahr gegangen?
Während letztes Jahr zu unserem Gründungskongress Delegierte aus knapp 20 Städten aus ganz Deutschland zusammengekommen waren, werden zu unserer Delegiertenkonferenz Jugendliche aus bis zu 40 Städten teilnehmen. Dieses Wachstum drückt sich auch auf der Landkarte aus. So konnten insbesondere im Süden Deutschlands mehrere neue Ortsgruppen gegründet und auch im Osten Deutschlands die Aktivität erhöht werden. Dabei stößt das auf dem Gründungskongress neu beschlossene Programm auf viel Zustimmung und es wird deutlich, dass immer mehr Jugendliche nach einer Organisation suchen, die mit einem klaren Programm Jugendliche in Schule, Uni und Betrieb in Bewegung setzt. Doch wir bereiten uns nicht nur immer weiter aus, sondern sind dort, wo wir schon länger aktiv sind, auch immer besser verankert. In immer mehr Städten wurden Vorstände gewählt und die Arbeit findet in einem immer organisierteren Rahmen statt. Insbesondere sind wir inzwischen an zahlreichen Universitäten mit Hochschulgruppen, sowie an Studierendenparlamenten und Allgemeinen Studierendenvertretungen (AStA) beteiligt. Dies drückte sich in Studierendenprotesten gegen die Kürzungen aus, an deren Organisation wir in vielen Städten maßgeblich beteiligt waren. Das gleiche gilt für die Schulstreikbewegung gegen die Wehrpflicht, welche wir stärken konnten durch die Beteiligung an der Organisierung von lokalen und bundesweiten Streikkonferenzen. Wir haben ebenfalls eine Sonderausgabe unserer Zeitschrift “Lautschrift”, gemeinsam mit der Zeitschrift der DIDF-Jugend “Junge Stimme” zum Thema Wehrpflicht mit einer Auflage über 10.000 herausgebracht. Der Ausbau unserer Medienarbeit war im Allgemeinen ein wichtiger Schritt, den wir auf dem Gründungskongress beschlossen und in die Tat umgesetzt haben. Ebenfalls als gemeinsame Projekt von Lautschrift und Junge Stimme haben wir auf der Plattform “jung&laut” begonnen, Artikel, Interviews von Streiks und Demonstrationen, Berichte und Podcasts auf Instagram, Tiktok, unserer Website und Spotify zu veröffentlichen. Einzelne Videos erreichten weit über eine Millionen Aufrufe. Dadurch haben wir es geschafft, unsere Inhalte an deutlich mehr Jugendliche zu tragen, als zuvor.
Militarismus und Wehrpflicht sind Themen, die euch nun länger begleiten. Wir sehen, wie sich mehr Jugendliche dagegen aussprechen, wie plant ihr, mehr Jugendliche zu diesen und anderen Themen zu organisieren?
Schon seit Beginn des Genozids in Palästina waren es vor allem junge Menschen, die zu Zehntausenden auf den Straßen waren und ihre Unis besetzt haben. Gleichzeitig stiegen die Umfragewerte zur Ablehnung von Waffenlieferungen an die Ukraine immer weiter an. Und als dann die Wiedereinführung der Wehrpflicht nicht nur diskutiert, sondern im Dezember letzten Jahres de facto beschlossen wurde, gab es an vielen Schulen kein Halten mehr. Zuletzt haben am 8. Mai über 45.000 Schüler die Schule bestreikt und gegen die Wehrpflicht protestiert. Dies sind beinahe genau so viele wie bei den ersten beiden Schulstreiks, obwohl die Repressionen, teils in Form von direkter Androhung von Strafe oder dem bewussten Legen von Klausuren auf den Tag des Streiks, deutlich verschärft wurden. Wir sind aktiver Teil der Schülerbewegung und konnten in verschiedenen Städten Schulstreikkomitees aufbauen und Schülergruppen des IJV bilden, mit Schülern die nicht nur gegen die Wehrpflicht, sondern auch gegen die Aufrüstung allgemein, Sozialabbau und weiteres aktiv werden wollten.
Auch an den Hochschulen und Universitäten richten wir im aktuellen Sommersemester unseren Hauptfokus auf die Unterstützung der Schulstreiks und auf das Aufklären und aktiv werden gegen die Militarisierung, die an den Unis stattfindet. Schließlich wird an unseren Universitäten zunehmend an Kriegstechnik geforscht und dabei auch oft die Selbstverpflichtung zu ziviler Forschung vieler Unis umgangen und aktiv angegriffen. Für diese Bewegung wird es entscheidend sein, ob breitere Teile der Jugend erreicht werden können. Daran wollen wir mitwirken.

Hannes Werner ist Mitglied des IJV Bundesvorstands
Soziale Kürzungen wirken sich auch auf Jugendliche aus, z.B. steigen ja auch für Studierende nun KV Beiträge usw., inwiefern tragt ihr diese Themen z.B. in die Basis?
Die Sozialkürzungen gehen wir von zwei Seiten an. Einerseits stellen wir uns den Aussagen der Regierung entgegen, dass gespart werden müsse, weil einfach kein Geld da sei oder die Jugend zu faul sei zum Arbeiten und zeigen auf, dass in Wahrheit so stark gekürzt wird, um die Profite der Unternehmen zu erhöhen und um die massive Aufrüstung zu finanzieren. Gleichzeitig versuchen wir im Kleinen, dort wo wir sind, also in Schule, Uni, Betrieb und auch im Stadtteil diesen Angriffen auf uns alle etwas entgegenzusetzen. Dazu zählen beispielsweise Angebote, wie gemeinsames Theaterspielen, Kurzfilmworkshops, Fußballturnieren oder Kampfsport. Das ganze natürlich kostenlos, um allen Jugendlichen die Möglichkeit zu geben mitzumachen. Darüber hinaus beteiligen wir uns an Protesten gegen die Sozialkürzungen in Bündnissen mit Gewerkschaften und sozialen Trägern und versuchen auch eigenen Protest zu initiieren, wie z.B. bei der Schließung einer Schutzunterkunft für geflüchtete Frauen in Hamburg. Die zunehmende Schließung von Jugendzentren und Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche ergeben zwangsläufig immer mehr Möglichkeiten für solche Aktionen.
Auf der Delegiertenkonferenz plant ihr eure Kampagne “Zeit aktiv zu werden” abzuschließen, welche Schlüsse konntet ihr daraus ziehen, und was plant ihr in der kommenden Zeit?
Unsere Kampagne “Zeit aktiv zu werden – Gegen Rassismus, Aufrüstung und Sozialabbau” war ein wichtiger Schritt, um unsere Kräfte zu bündeln und deutlich organisierter als zuvor zu arbeiten. Wir haben es geschafft, die Einführung einer Maximalstudienzeit an Goethe-Universität Frankfurt zu verhindern, über 10.000 Jugendliche unter diesem Motto bei Open Air Festivals in ganz Deutschland zusammenzubringen und in Gremien und Interessenvertretungen von Studis, Azubis und Schülern aktiv zu werden. Dabei liefen nicht alle diese Aktivitäten genau unter diesem Motto, doch hat die Kampagne uns einen wichtigen Rahmen für unsere Arbeit gegeben, um einen klaren Fokus für lokale Kampagnen und Kämpfe zu haben. Mit dem Ende der Kampagne wollen wir damit natürlich nicht aufhören, sondern daran anknüpfen. Es gilt nun, die vielen neuen Ortsgruppen zu stärken und dort Basisgruppen an Universitäten, Schulen und Berufsschulen zu bilden. Gleichzeitig wollen wir unsere Aktivitäten in Schülervertretungen und Jugendauszubildendenvertretungen verstärken, was uns bisher in einem geringeren Maße als an den Hochschulen gelungen ist. Die Kampagne hat unsere Organisation so weit gestärkt, dass wir bei unserem diesjährigen Sommercamp voraussichtlich an die Grenzen des Campingplatzes am Attersee stoßen und noch einmal mit deutlich mehr, als den 500 Jugendlichen, vielleicht sogar doppelt so viele, im letzten Jahr 10 Tage gemeinsam verbringen werden.

