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Podium: Klimawandel als Klassenfrage

Der Sommer 2026 hat die Klimakrise auf brutale Weise vor Augen geführt. Tausende Hitzetote allein im Juni in Deutschland, überfüllte Notaufnahmen und verheerende Waldbrände in Europa sind nicht einfach tragische Naturkatastrophen, sondern die Folgen eines Wirtschaftssystems, das auf Profitmaximierung und endloses Wachstum in einer begrenzten Welt setzt.

Jakob Dost

Trotz der Dringlichkeit der Lage und der anfänglichen Mobilisierungskraft von Bewegungen wie Fridays for Future scheint der politische Stillstand zementiert. Auf einem Podium des Internationalen Jugendsommercamps 2026 diskutierten Aktive aus Deutschland und der Dominikanischen Republik über die Ursachen dieses Stillstands und die Notwendigkeit eines Kurswechsels in der Klimabewegung.

Die Macht des Kapitals und die Ohnmacht der Politik
Neo von der BUND-Jugend legte dar, warum trotz des breiten gesellschaftlichen Bewusstseins für die Klimakrise auf politischer Ebene kaum etwas passiert. Die Gründe liegen in der ungleichen Machtverteilung: Während multinationale Konzerne über enorme finanzielle Mittel und professionelle Lobbystrukturen verfügen, kämpfen Umweltorganisationen mit begrenzten Ressourcen.

Die Politik, fokussiert auf kurzfristige Wahlerfolge, schützt die Interessen des Kapitals, anstatt tiefgreifende ökologische Transformationen anzustoßen. Emre, Ingenieur im Bereich Neue Energieträger, lenkte die Aufmerksamkeit auf die scheinbaren Lösungsansätze der herrschenden Klasse. Instrumente wie der Emissionshandel sind keine wirksamen Klimaschutzmaßnahmen, sondern schaffen neue Märkte und Profitmöglichkeiten, ohne die Emissionen im notwendigen Maße zu reduzieren. Der Kapitalismus, so das Fazit, sei strukturell unfähig, die von ihm verursachte Krise zu lösen, da er auf der Ausbeutung von Mensch und Natur basiere.

Lektionen aus der Karibik: Umweltkampf als Klassenkampf
Einen inspirierenden Kontrast zur resignativen Stimmung in Teilen der europäischen Klimabewegung bot der Bericht von Lisanny, Vertreterin der Juventud Caribe aus der Dominikanischen Republik. Sie verdeutlichte, dass die Klimakrise für die Menschen in den unterdrückten Ländern nie nur ein technisches Umweltproblem war, sondern eine existenzielle Überlebensfrage und Ausdruck der Widersprüche des kapitalistischen Systems.

In der Dominikanischen Republik stehen sich zwei Modelle gegenüber: auf der einen Seite transnationale Konzerne und nationale Wirtschaftseliten, die mit Rückendeckung des Staates Land, Wasser und Bodenschätze für ihre Profite ausbeuten. Auf der anderen Seite die lokale Bevölkerung – bäuerliche Gemeinden, Fischer, Arbeiter, Studierende und Nachbarschaftskomitees –, die ihre Lebensgrundlagen verteidigen.

Lisanny betonte: „Das Kapital weicht nicht einfach aus Umweltbewusstsein zurück. Es weicht zurück, wenn es auf ein organisiertes Volk trifft.“ Am Beispiel des zwölfjährigen, erfolgreichen Widerstands gegen ein Goldabbauprojekt im Gebirge Loma Miranda zeigte sie, wie durch Aufklärung, Mobilisierung und den Zusammenschluss verschiedener gesellschaftlicher Gruppen eine Gegenmacht aufgebaut werden kann. Die Parole „Wasser ja, Gold nein“ bringt diesen Kampf um Souveränität und die Verteidigung der Gemeingüter auf den Punkt.

Die Klimabewegung am Scheideweg
Die deutsche Klimabewegung befindet sich hingegen in einer schwierigen Phase. Alea vom Internationalen Jugendverband übte konstruktive Kritik an der bisherigen Ausrichtung: Die Bewegung habe sich zu sehr auf individuelle Konsumkritik und Appelle an die Politik verlassen, anstatt die wahren Verursacher – die Profiteure der Umweltzerstörung – ins Visier zu nehmen. Zudem habe man es versäumt, breite Bündnisse, insbesondere mit der Arbeiterbewegung, zu schmieden.

Aktionen wie Straßenblockaden trafen oft die Falschen und boten Politik und Medien die Möglichkeit, die Bewegung zu spalten und gegen die arbeitende Bevölkerung auszuspielen. Neo von der BUND-Jugend ergänzte, dass Aktivistinnen und Aktivisten zunehmend Angriffen von rechts ausgesetzt seien und unter einem „kollektiven Trauma“ litten, da jahrelanges Engagement kaum strukturelle Veränderungen bewirkt habe.

Die Profitlogik tötet weltweit

Wie sehr die Klimakrise globale Ausbeutungsmechanismen verschärft, zeigte die offene Fragerunde des Podiums. Ein Teilnehmer aus Brasilien brachte es dabei auf den Punkt: „Es ist heute einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus.“ Während die Agrarindustrie für ihre Überproduktion rücksichtslos Wasserreserven zerstöre, habe die arbeitende Bevölkerung zu diesen Lebensmitteln keinen Zugang.

Dass diese Logik auch in Europa herrscht, untermauerten eindrückliche Beispiele aus Spanien: So haben Budgetkürzungen bei der Feuerwehr in Kastilien und León in den vergangenen Jahren zu unkontrollierbaren Waldbränden geführt. Auf den Kanarischen Inseln zerstört der Massentourismus nicht nur die Natur, sondern treibt auch den Wohnungsmarkt in die Krise. Am drastischsten zeigte sich die kapitalistische Kurzsichtigkeit in Valencia: Dort kostete die rücksichtslose Bebauung von Überschwemmungsgebieten bei der Flutkatastrophe 2024 über 230 Menschen das Leben, während die Regierung unfähig war, gegen die Krise vorzugehen.

Gemeinsam kämpfen: System Change, not Climate Change
Die Schlussfolgerungen des Podiums waren deutlich: Um die Klimabewegung wieder zu stärken, muss sie sich als Teil eines umfassenden sozialen und antiimperialistischen Kampfes begreifen. Die ökologische Frage darf nicht isoliert betrachtet, sondern muss mit den Kämpfen um bessere Arbeitsbedingungen, bezahlbaren Wohnraum und gegen Aufrüstung verknüpft werden.

Die Arbeiterklasse, die den ökologischen Folgen und der Ausbeutung unmittelbar ausgesetzt ist, muss als zentraler Bündnispartner gewonnen werden. Wie Alea betonte, kann der Kampf nicht nur umweltbewussten Aktiven überlassen werden, sondern muss in die Betriebe, Schulen und Universitäten getragen werden.

Der Weg nach vorn erfordert lokale Vernetzung, politische Bildungsarbeit und den Aufbau von Gegenmacht durch breite Bündnisse. Die Erfahrungen aus der Dominikanischen Republik zeigen: „Die Verteidigung der Umwelt ist untrennbar verbunden mit der Verteidigung von Würde, Souveränität und sozialer Gerechtigkeit.“ Der Kampf gegen die Klimakrise ist somit ein Kampf für ein anderes System – eine Welt, in der die Bedürfnisse der Menschen und der Schutz der Natur über den Profitinteressen stehen.

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