Vom 31. Juli bis zum 9. August 2026 kommen hunderte Jugendliche aus verschiedensten Ländern am Attersee zum internationalen, antifaschistischen, antiimperialistischen und demokratischen Jugendcamp 2026 zusammen. Seit Monaten wird das Camp geplant und mittlerweile liegen aus 17 Ländern Anmeldungen vor. Entsprechend vielseitig wird das Programm – wir geben einen Einblick.
Von Anfang an war klar, dass die Weltjugend bewegte Zeiten hinter sich hat. Das letzte internationale Jugendcamp fand 2024 in der Dominikanischen Republik statt. Seitdem gab es große Jugendbewegungen in zahlreichen Ländern, die sich für demokratische Rechte und gegen Korruption (wie in der Türkei, Madagaskar oder Nepal) oder auch gegen Armut und Unterfinanzierung (wie in Serbien und Argentinien) gestellt haben. Die Jugendbewegung gegen Krieg hat einen neuen Aufschub erlebt, besonders seit den Protesten für Palästina, wo die Jugend in Italien zusammen mit den Arbeitern ganze Städte lahmgelegt hat. All diese Erfahrungen sollen im Camp-Programm widergespiegelt werden.
Jugendbewegungen kommen zusammen
Dabei soll es jedoch nicht um eine bloße Aneinanderreihung von Berichten gehen. Der Aufruf zum Camp macht sehr deutlich, dass verschiedene Bewegungen der Jugend, wenn auch anhand unterschiedlicher Themen entflammt, einen gemeinsamen Kampf bilden. Im Aufruf heißt es: „Als Jugend der Welt erheben wir uns, weil wir wissen, dass unsere Probleme die gleichen Ursachen haben und unser Ziel ein gemeinsames Ziel ist: Eine Welt ohne Ausbeutung und Krieg, in der wir in Harmonie leben und unser Schicksal selbst in die Hand nehmen können“. Und genau darum geht es auf dem Camp: Die weltweiten Kämpfe in einen Zusammenhang zu bringen und ein Stückchen mehr zu einem gemeinsamen Kampf zu machen.
So werden sich die verschiedenen Tage schwerpunktmäßig mit den Hauptthemen des Aufrufs befassen: Ein Tag wird sich der weltweiten Kriegsgefahr und der Frage widmen, was die Jugend dem entgegensetzen kann. Im zentralen Podium werden an jedem Tag internationale Perspektiven zusammengeführt, sodass die Vielfältigkeit des Kampfes gegen Krieg sowohl aus der Perspektive der deutschen Schulstreikbewegung gegen die Wehrpflicht als auch der italienischen Palästina-Solidarität-Bewegung und der antiimperialistischen Jugendbewegung in Lateinamerika verknüpft wird. Am Nachmittag soll das Thema dann vertieft werden, indem sich unterschiedlichen Schwerpunkten in Seminaren und Workshops gewidmet wird.
Ein anderer Tag wird schwerpunktmäßig den Kampf gegen Faschismus und Rassismus behandeln – Erfahrungen aus Ländern wie der Türkei, Brasilien und den USA werden dabei wichtige Perspektiven dafür bieten, wie dieser Kampf geführt werden muss. Schließlich ist es in Brasilien auch durch die Arbeit einer breiten Volksfront gelungen, Bolsonaro zu verjagen, in der Türkei hat die Jugend von den Universitäten aus im letzten Frühjahr eine Demokratiebewegung mit vom Zaun gebrochen und in den USA wurde dem ICE-Terror und den voranschreitenden Angriffen auf die Demokratie eine Massenbewegung entgegengesetzt.
Auch die Kämpfe der Jugend gegen Armut und Perspektivlosigkeit stehen an einem Tag im Mittelpunkt. Die brasilianische Delegation kündigt an: „Die Jugend gehört zu den am stärksten ausgebeuteten Teilen der brasilianischen Bevölkerung. Wir haben die unsichersten Arbeitsplätze, sind mit langen Arbeitszeiten, niedrigen Löhnen und fehlenden Rechten konfrontiert. In Arbeitervierteln werden täglich etwa 60 junge Menschen ermordet, die meisten von ihnen sind schwarz. Die Schulen sind stark unterfinanziert, und weniger als 20 % der Bevölkerung haben Zugang zur Universität. Das Ergebnis ist eine entmutigte Generation, die von Entmutigung und einem Mangel an echten Zukunftsperspektiven geprägt ist. Wir stehen an vorderster Front im Kampf für höhere öffentliche Investitionen in Bildung, bessere Bedingungen an Schulen, das Recht auf angemessene Ernährung, universellen Zugang zur Universität und Maßnahmen, damit mehr Schüler die Schule abschließen können. Im vergangenen Jahr haben wir Demonstrationen sowie Studenten- und Arbeiterstreiks organisiert. Wir haben leerstehende Gebäude besetzt, um sie in Wohnraum für arme Familien und Schutzunterkünfte für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, umzuwandeln.“ Von all diesen Kämpfen werden sie auf dem Camp berichten. In den folgenden Tagen werden der internationale Frauenkampf gegen Unterdrückung und Gewalt sowie die Kämpfe um Kultur, Wohnraum und Umweltschutz im Vordergrund stehen.
In den Seminaren und Workshops werden auch die Methoden des Widerstandes und die Erfahrungen aus der Organisierung der Jugend der jeweiligen Länder diskutiert werden. Die türkische Delegation kündigt beispielsweise an, von den Protesten der Jugend gegen den NATO-Gipfel 2026 in der Türkei Anfang Juli zu berichten und die spanische Delegation stellt fest: „Unser Ministerpräsident ist dafür bekannt geworden, dass er sich den Angriffen der USA und Israels auf den Iran widersetzt, aber wir sind nach wie vor in die NATO integriert, unsere Militärausgaben steigen auf Kosten von Gesundheit und Bildung, und unsere Unternehmen und unsere Regierung machen Geschäfte mit Israel“. So wird das Camp auch zu einem Ort, an dem hinter die Kulissen der Nachrichten zu blicken, die bei uns aus diesen Ländern ankommen, und die Welt des Widerstandes zu entdecken, die abseits der großen Medienhäuser existiert. Wie boykottieren wir Universitäten und Schulen? Wie bauen wir eine breite, antifaschistische Bewegung auf? Wie schaffen wir Plattformen und Medien, die unsere Stimme stärken? Diese und mehr Diskussionen werden beweisen, dass der Kampf der Jugend weltweit nicht nur dieselben Ursachen hat, sondern wir auch ganz praktisch voneinander lernen und uns so stärken können.

