Written by 13:46 DEUTSCH

Tausende zeigen Zusammenhalt und Solidarität beim DIDF Festival in Köln

Am 13. Juni hat das traditionelle Open Air Festival der DIDF am Kölner Tanzbrunnen stattgefunden. Unter dem Motto „Für Zusammenhalt und Solidarität“ versammelten sich über 7.000 Menschen in der Freiluft-Location, feierten, genossen den Tag, trafen alte Freunde wieder und machten deutlich: gemeinsam ist man stark.

Alle zwei Jahre arbeitet die Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DIDF) und ihre Mitgliedsvereine in ganz Deutschland auf ein besonderes Highlight hin: das Open Air Festival am Tanzbrunnen in Köln. Sowohl am Veranstaltungsort, als auch in den anderen Städten fiebern die Mitglieder auf diesen Tag hin. Tausende Tickets werden verkauft, Infostände aufgebaut, Haustüren und Läden abgeklappert, Plakate aufgehangen und Flyer verteilt – all das ehrenamtlich. Die Mitglieder organisieren das Festival genauso mit, wie der Bundesvorstand. Am Festivaltag selbst, sind sie es, die Infomations-, Essen- und Getränkestände betreuen, Wertmarken verkaufen, das Kinderdorf am Laufen halten, für Sicherheit sorgen und die Gäste bewirten. Das Festival ist selbst ein Ausdruck der Solidarität und des verbandlichen Zusammenhalts – und das merkt man.

Von Gaye Su Akyol bis Fehim Taştekin – besondere Gäste mache den Tag komplett

Programmtechnisch hat DIDF keine Mühen gescheut, um ein breites und abwechslungsreiches Programm zu ermöglichen. Den Anfang machte die Folkloregruppe von DIDF Wuppertal, mit ihren Tänzen begrüßten sie die Teilnehmenden auf dem Festival. Internationale Sounds durch die Gruppe Kontrast – die Band wurde auf einem DIDF-Jugend Camp gegründet und ist heute fester Bestandteil des Festivals und auch vieler anderer Programme – stimmten die Gäste bereits mit einem Knall aufs Festival ein. Der bekannte Liedermacher Kai Degenhardt brachte dem Publikum anschließend Lieder aus der Friedens- und Arbeiterbewegung, bis Junge Arbeiter insbesondere – aber nicht nur – die jungen Teilnehmer mit ihrem Rap zum Kochen brachten. 

Die kurdische Gruppe Agirê Jiyan riss die Menge mit

Mit Mustafa Özarslan blieb kein Stuhl mehr besetzt. Der bekannte Sänger ist eine Größe der türkischen Volksmusik, die vor allem auch zum Tanzen einlädt. Eine Stunde lang füllte sein Gesang den gesamten Tanzbrunnen. Nicht minder mitreißend folgte Agirê Jiyan. Die kurdische Musikgruppe heizte die Stimmung noch weiter an und machte Musik sowohl für jung, als auch für alt. Mit Gaye Su Akyol folgte ein Wechsel in der Musikrichtung – aber nicht in der Stimmung. Mit ihrem psychedelic-Rock hat auch sie die Menge mitgerissen und den Tanzbrunnen zum Beben gebracht. Den Abschluss bildete die legendäre Gruppe Moğollar, die wie wenige andere den Anatolian-Rock geprägt hat. Bei ihren Hits, wie „Dinleyiverin Gari“ oder „Birşey Yapmalı“ gab es nur wenige, die nicht mitsangen. 

Gaye Su Akyol

Deutlich wurde auch: die Künstler waren Teil des Festivals aus Überzeugung. Sie alle betonten zwischen den Songs die Notwendigkeit der Solidarität und wie wichtig das Open Air Festival sei. Doch auch außerhalb der Bühne waren zahlreiche Politiker, Schriftsteller und Künstler vor Ort. So z.B. Schriftsteller und Journalist Fehim Taştekin, Musiker und Filmemacher Nedim Hazar, Landtagsabgeordnete und im letzten Jahr Oberbürgermeisterkandidatin Berîvan Aymaz (Die Grünen) oder Bundestagsabgeordneter Mirza Edis (die Linke). 

Die Auftritte der Rockband Moğollar sind legendär

Gegen Spaltung und für Zusammenhalt – Reden betonten die Solidarität

Auf der Bühne gab es neben Tanz und Musik auch Redebeiträge, die die Probleme unserer Zeit ansprachen, aber auch die Lösungen in Form von organisierten Kämpfen und Solidarität hervorhoben. Beschäftigte von VW, die sich gegen die Produktion von Rüstungsgütern stellen, begrüßten das Festival gemeinsam mit Beschäftigten des Uniklinikums Düsseldorf, die sich in einem Arbeitskampf befinden. Und auch Witich Roßmann, Vorsitzender des DGB Stadtverbands Köln, sowie Carsten Burkhardt und Zeynep Bicici von der IG BAU betonten die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisierung in Zeiten von Sozialabbau und Angriffen auf die Rechte der Arbeiter.

Die Beschäftigten von VW und dem Uniklinikum Düsseldorf zeigen Solidarität

Derya Karadağ (die Grünen) grüßte das Festival im Namen der Stadt Köln. Die stellvertretende Bürgermeisterin hob in ihrem Grußwort die Besonderheit des Festivals hervor. Özlem Alev Demirel, MdEP (die Linke), setzte in ihrem Redebeitrag ein klares Zeichen gegen Militarismus und Kriege und für Frieden und Zusammenhalt. Auch Seyit Aslan, Vorsitzender der Partei der Arbeit (EMEP) aus der Türkei hob den Zusammenhalt hervor. Besonders in der Türkei, wo es unbeschreibliche Angriffe auf die Opposition und die Demokratiebewegung gibt, sei der Zusammenhalt zwischen all den Kräften, die für das Ziel der Demokratie kämpfen, unverzichtbar.

Seyit Aslan, Partei der Arbeit Türkei (EMEP)

Und all die Angriffe dieser Zeit gehen natürlich nicht spurlos an der Jugend vorbei. Kerem Kusu vom Bundesvorstand der DIDF-Jugend und Thoya Kruse vom Internationalen Jugendverband machten das in ihrem gemeinsamen Redebeitrag deutlich. Bei Militarismus, Kriegen und Nationalismus ist es stets die Zukunft der Jugend, die auf dem Spiel steht. Sie stellen vor allem die Schülerproteste gegen die Wehrpflicht nochmal heraus und riefen die Jugendlichen Teilnehmer des Festivals dazu auf, am internationalen Sommercamp in Österreich teilzunehmen und sich zu organisieren.

Thoya Kruse (IJV) und Kerem Kusu (DIDF-Jugend) hielten die Jugendrede

Während Yücel Özdemir vom Bundesvorstand der DIDF die Gäste auf Türkisch verabschiedete, machte Alev Bahadır, Bundesvorsitzende von DIDF, deutlich, was es jetzt dringend braucht: „Indem sie uns spalten wollen sie, dass wir nicht gegen die echten Probleme kämpfen. Unser Nachbar, Klassenkamerad, Arbeitskollege soll dann plötzlich der Feind sein und nicht ein System, das auf Ausbeutung, Krieg und Nationalismus basiert. Sie wollen, dass wir in die falsche Richtung blicken, aber wir schauen nur nach oben, denn da kommen die Probleme her“. In all der schwierigen Zeit müssten sich auch türkeistämmige Arbeiter organisieren und Teil der sozialen Kämpfe sein, deshalb rief Bahadır zum Schluss ihrer Rede alle Teilnehmenden dazu auf, Mitglied bei DIDF zu werden und gemeinsam etwas zu verändern.

Alev Bahadır, Bundesvorsitzende von DIDF

Ein buntes Rahmenprogramm rundete das Festival ab

Auch das Rahmenprogramm lies die Herzen der Gäste höher schlagen. Neben einem breiten Angebot an Essen und Getränken, gab es Informationsstände, bei denen man mit Aktiven von DIDF, aber auch von befreundeten Gruppen, wie Gewerkschaften, Jugendverbänden, Stadtteilinitiativen oder Kulturvereinen, ins Gespräch kommen konnte und sich über die Arbeit ein Bild verschaffen konnte. Bei den Bücherständen konnte man sich sein liebstes Buch direkt von vielen Autoren signieren lassen. Im Kinderdorf gab es von Puppentheater, bis Kinderschminken und Fußballdarts alles, was das kleinste Herz begehrte. So konnten auch Familien in Ruhe am Festival teilnehmen und sich sicher sein, dass ihre Kinder nicht zu kurz kamen. 

Das Festival war ein großer Erfolg, sowohl für Veranstalter, als auch für Gäste. Bereits jetzt fiebern alle auf das nächste Festival für Zusammenhalt und Solidarität im Jahr 2028 hin – und auf diesen ganz besonderen Ort der Begegnung.

Close