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Bundesweit hohe Beteiligung am 1. Mai: Hunderttausende fordern menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen

Der 1. Mai, der internationale Kampf- und Feiertag der Arbeiterbewegung, wurde in ganz Deutschland von Hunderttausenden Beschäftigten mit großer Beteiligung und spürbarer Dynamik begangen. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) nahmen in diesem Jahr insgesamt 366.710 Menschen an den 413 Veranstaltungen teil. Im Vorjahr hatte der DGB die Gesamtteilnehmerzahl noch mit 310.000 angegeben. Die diesjährigen Aktionen standen unter dem Motto „Erst unsere Arbeit, dann eure Profite“. Der Anstieg um rund 50.000 Teilnehmende wird als Ausdruck wachsender Unzufriedenheit unter Arbeiterinnen und Arbeitern mit den sozialpolitischen Kürzungsplänen der Regierung sowie der zunehmenden Aufrüstung gewertet.

In der Hauptstadt Berlin versammelten sich bereits in den frühen Morgenstunden zahlreiche Beschäftigte vor dem Roten Rathaus und zogen anschließend in einem Demonstrationszug durch die Stadt. Bei der Abschlusskundgebung am Alexanderplatz wurde die Zahl der Teilnehmenden mit über 11.000 angegeben. Auf Transparenten und Plakaten wurde insbesondere Kritik an Plänen laut, die Arbeitszeiten auszuweiten und den Achtstundentag infrage zu stellen. Gefordert wurde stattdessen unter anderem die Einführung einer Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich.

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Robert Feiger, betonte in seiner Rede vor dem Roten Rathaus: „Der Achtstundentag ist kein überholtes Relikt, sondern eine zentrale Errungenschaft der Arbeiterbewegung.“

Foto: Yeni Hayat

Hamburg und Köln: Steigende Beteiligung

In Hamburg beteiligten sich rund 12.000, in Köln etwa 8.000 Beschäftigte an den 1.-Mai-Aktivitäten. Ein Sprecher der Initiative „Wer hat, der gibt“ erklärte, dass sich in Hamburg insgesamt 12.000 Menschen an den Protesten beteiligt hätten – mehr als im Vorjahr. Nach Angaben des DGB Hamburg nahmen allein an der Kundgebung am Fischmarkt rund 10.000 Menschen teil. Für die vom Bündnis „Wer hat, der gibt“ organisierte Veranstaltung am Jungfernstieg waren ursprünglich etwa 2.500 Teilnehmende erwartet worden; tatsächlich lag die Beteiligung jedoch deutlich darüber.

Auch in Köln war die Beteiligung hoch: Nach einem Demonstrationszug vom Hans-Böckler-Platz fand auf dem Heumarkt eine Abschlusskundgebung statt, an der sich rund 8.000 Menschen beteiligten. Besonders junge Demonstrierende machten mit Slogans gegen Krieg und Militarisierung auf sich aufmerksam. Zudem war die Präsenz der Gewerkschaften in diesem Jahr sichtbar stärker.

Foto: Neues Leben / Hamburg

Nürnberg und Mannheim: Aufruf zum Widerstand gegen Sozialkürzungen 

Die zentrale bundesweite Veranstaltung des DGB fand in diesem Jahr in Nürnberg statt. Vor Tausenden Teilnehmenden kündigte die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi an, entschlossen gegen geplante Einschnitte bei Renten, im Gesundheitswesen und bei Sozialleistungen vorzugehen. Sie betonte, die Gewerkschaften würden mit der Kraft und dem Engagement der Beschäftigten weiterhin verhindern, dass es zu einer Rückkehr zu Verhältnissen wie in den frühen Phasen des Kapitalismus komme.

In Mannheim fanden parallel zwei größere Veranstaltungen zum 1. Mai statt, die sich beide mit Arbeiterrechten und sozialer Gerechtigkeit befassten. Neben dem DGB organisierte auch die Mannheimer Initiative für soziale Kämpfe Proteste, bei denen deutliche Kritik daran geäußert wurde, dass die Kosten der wirtschaftlichen Krise auf die Beschäftigten abgewälzt werden.

Der DGB-Regionsvorsitzende Ralf Heller verwies in seiner Rede auf mehrere wirtschaftliche Rückschläge in der Region, darunter die Verlagerungspläne von Pepperl+Fuchs, das Insolvenzverfahren bei Eichbaum sowie die Schließung des Theresienkrankenhauses. In beiden Veranstaltungen wurde übereinstimmend betont, dass die Lasten der Krise nicht von den arbeitenden Menschen getragen werden dürften. Die Teilnehmenden bekräftigten zum Abschluss ihren Willen, den Kampf gegen soziale Einschnitte und den Abbau von Rechten fortzusetzen.

Foto: Yahya Durusoy / Mannheim

Hannover: Starke Beteiligung und Jugend im Fokus 

In Hannover beteiligten sich rund 10.000 Menschen an der von den Gewerkschaften angeführten 1.-Mai-Demonstration, an der auch zahlreiche Jugend- und zivilgesellschaftliche Gruppen teilnahmen. Neben Forderungen nach höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und sicheren Jobs wurde der Erhalt des Achtstundentages betont. Aus den Jugendblöcken kamen vor allem antimilitaristische Forderungen und der Ruf nach mehr Investitionen in Bildung und Soziales. Der Tag klang mit gemeinsamen Aktivitäten aus und stand insgesamt im Zeichen von Solidarität und gemeinsamer Organisierung.

Fotoğraf: Josefin Junge / Emma Seitz

Essen und Göppingen: Antifaschistische Proteste im Mittelpunkt 

In Essen entwickelte sich der 1. Mai zu einer großen antifaschistischen Mobilisierung gegen eine Kundgebung der rechtsradikalen Partei „Die Heimat“. Statt der üblichen 600 bis 1.200 Teilnehmenden beteiligten sich rund 5.000 Menschen an den Protesten. Tausende Antifaschistinnen und Antifaschisten umzingelten den Versammlungsort der Neonazis, die deutlich weniger mobilisieren konnten als angekündigt. Die Proteste wurden maßgeblich von jungen Menschen getragen und von breiten gesellschaftlichen Kräften unterstützt.

Auch in Göppingen stand der 1. Mai im Zeichen des Protests gegen Rechts. Mehr als 800 Menschen nahmen an der DGB-Veranstaltung unter dem Motto „Erst unsere Arbeit, dann eure Profite“ teil und setzten ein klares Zeichen gegen die AfD. Bei einer Demonstration und weiteren Aktionen wurde zu sozialer Gerechtigkeit, besseren Arbeitsbedingungen und zum entschlossenen Kampf gegen Rassismus und Rechtsradikalismus aufgerufen.

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