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Frankreich: Proteste und Blockaden in den Schulen!

Seit knapp einer Woche protestieren Schüler in Frankreich gegen die unzumutbaren Bedingungen in den Schulen.  Was mit einem spontanen Protest begann, hat sich innerhalb weniger Tage in mehreren Regionen ausgebreitet. Aber was genau ist da los? 

Am 21. September streikten die Lehrkräfte der Schule „Lycée Antione de St. Exupéry“ in Créteil (Vorort von Paris) , um gegen die schlechten Bedingungen und den Personalmangel zu protestieren. Diese Schule befand sich seit den Sommerferien in einer Notlage, was die Besetzung der Stellen anging: fehlende Lehrkräfte, fehlende Leitungspositionen, fehlende Sonderpädagogen und vieles mehr. Diesem Protest schlossen sich die Schüler an, um gemeinsam mit ihren Lehrkräften gegen diese Verhältnisse ihre Stimme zu erheben.

Was als spontane Reaktion an einer Schule startete, verbreitete sich innerhalb weniger Tage wie ein Lauffeuer. Mittlerweile schließen sich Schüler Regionen übergreifend den Protesten an, wie nun auch in den Regionen Alpes-Maritimes und le Var zu sehen ist. In 180 Schulen kam es zu Aktionen, in über 10 Schulen gelang es, eine Blockade durchzuführen.

Die Schüler zeigen auf, dass die Bedingungen in den Schulen jegliches Lernen verhindern. Seit knapp einem Monat hat das Schuljahr begonnen und es gibt Berichte darüber, dass manche Fächer, wie Französisch, Deutsch oder Naturwissenschaften, durch den Lehrermangel seitdem nicht stattgefunden haben. Die Schüler machen sich Sorgen um ihre Prüfungen des baccalauréats (Abitur), die sie am Ende des Schuljahres beschreiten müssen. Aber beim Lehrermangel bleibt es nicht stehen: Klassengrößen von 35-40 Schüler, zu wenige Stühle um für alle einen Sitzplatz zu gewährleisten, fehlende Sozialarbeiter und Sonderpädagogen für Schüler mit Förderbedarf, Ratten in den Gebäuden und viele weitere Probleme zeigen die Schüler und Lehrer bei ihren Protesten auf. Empört berichten die Schüler darüber, dass die finanziellen Mittel, die die Schulen zur Verfügung hätten, nicht zur Verbesserung der Lernbedingungen genutzt werden würden, sondern beispielsweise für die Installation von Sicherheitskameras. Dies trägt zur Überwachung und Kontrolle der Schülerschaft bei und verstärkt die Kriminalisierung der Jugendlichen aus prekären Vierteln, in denen viele einen Migrationshintergrund haben.

Dass dies in den Banlieues (Vororte) von Paris zuerst aufgekommen ist, ist kein Zufall, denn auch die ungleichen Bedingungen innerhalb der privaten und öffentlichen Schulen, sowie den Schulen in prekären und verarmten Stadtteilen im Gegensatz zu zentraleren Stadtteilen werden angeprangert. Die Ungleichheit ist nichts neues, bereits im März kam es zu Protesten über die Bildungsbedingungen in den ärmeren Vierteln. Es ist bekannt, dass Schulen in ärmeren Arbeitervierteln, wie Seine-Saint-Denis, ein jährliches Budget pro Schüler zur Verfügung haben, dass ca. 30% niedriger ist als der bundesweite Durchschnitt (6.200€ im Jahr statt 8.840€). Angesichts dieser prekären Lage und Ungleichbehandlung werden seit Jahren Verbesserungen und Finanzierung gefordert. Es finden Aktionen wie Demonstrationen und Petitionen statt, um auf die Lage aufmerksam zu machen und seit Jahren werden diese ignoriert und die Lage in den Schulen durch Stellenstreichungen und Kürzungen von Jahr zu Jahr verschärft.

„Das sind junge Menschen, die die Nase voll haben. Die Nase voll von ihren Ausbildungsbedingungen, die Nase voll von Unterrichtstagen von 8 bis 18 Uhr, dazu noch eine Stunde Anfahrt und anschließend Hausaufgaben. Die Nase voll auch von der sozialen Lage und davon, zu sehen, wie ihre Eltern sich nicht mehr leisten können, den Tank voll zu machen oder über die Runden zu kommen …“

erklärt Ryad Rani, Vorsitzender der ‚Union syndicale lycéene‘ (Schüler-Gewerkschaft), über die aktuellen Proteste. Nicht nur in der Schule sehen sich die Jugendlichen mit erschwerten Bedingungen konfrontiert, auch im Alltag und Zuhause haben sie mit der Kürzungspolitik der Macron-Regierung zu kämpfen.

Bei diesen Protesten fordern die Schüler, Lehrkräfte und Beschäftige also berechtigterweise ihr Recht auf gute Arbeits-, Lehr- und Lernbedingungen ein. Mit Parolen, wie: „plus de fric pour le public, moins de blé pour le privé“ (Mehr Geld für den öffentlichen Sektor, weniger für den privaten) oder „pénurie d’enseignantsmais ce qui les préoccupe c’est de mesurer la taille de jupes“ (Lehrermangel – aber was sie beschäftigt, ist, die Länge der Röcke zu messen) oder auch „Étudier est undroit, pas un privilège“ (Bildung ist ein Recht und kein Privileg) machen die Protestierenden klar wofür sie kämpfen!

Das Aufkommen dieser dynamischen Bewegung blieb nicht unbeantwortet. Es kommt zur brutalen Niederschlagung des Protestes durch die Polizei. Berichte, Videos und Fotos zeigen den Einsatz von Tränengas und gewaltsamen Festnahmen Minderjähriger. Dabei wurden mehrere Schüler sowie Schulpersonal verletzt. Der Bildungsminister Édouard Geffray droht öffentlich mit dem Einsatz der Polizei, wenn die Schulen blockiert werden sollten. So wird versucht, einzuschüchtern und den Protest zu ersticken. Auch Premierminister Lecornu wartet nicht, um gegen die Bewegung zu hetzen und eine Manipulation der Jugend heraufzubeschwören. Das sind verzweifelte Versuche, den gerechtfertigten Protest zu delegitimieren! Doch weder die Schüler noch die Lehrkräfte lassen sich davon einschüchtern!

Die gewerkschaftlich-aktiven und mobilisierten Lehrkräfte des Lycée Paul-Éluard in Seine-Saint-Denis fordern die Freilassung, ohne Konsequenzen, der festgenommenen Schüler ihrer Schule und stellen sich damit klar gegen die ausgeübte Repression. Heute bildeten Lehr- und Fachkräfte dieser Schule eine Menschenkette um ihre Schülerschaft, um diese vor den brutalen Angriffen der Polizei zu schützen. Eine Lehrkraft betonte bei einem Interview: „Ihre Forderungen sind auch unsere, und wir lehnen es ab, dass staatliche Gewalt die einzige Antwort ist, die man den Jugendlichen anbietet.“

Sowohl von Seiten der Lehrer als auch von Seiten der Schüler wird der gemeinsame Kampf um bessere Bedingungen in den Schulen hervorgehoben. Die Schülergewerkschaft (UCL) und die Snes (Lehrergewerkschaft für weiterführende Schulen) rufen beide dazu auf, sich beim Aktionstag des Öffentlichen Dienstes heute (Dienstag 29.9.) ihrem Streik anzuschließen. Die UCL ruft alle Schulen bundesweit dazu auf, zu streiken und die Schulen zu blockieren.

Es wird klar und deutlich gezeigt: Dieser Kampf ist ein gemeinsamer und wir lassen uns nicht einschüchtern!

Zuerst erschienen am 29. September bei jung &laut

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