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Kindeswohl in Deutschland gefährdet

Die neue Studie des UNICEF-Forschungsinstituts Innocenti zum Kindeswohl in EU- und OECD-Ländern sorgt erneut für Aufmerksamkeit. Deutschland belegt dabei nur Platz 25 von 37 untersuchten Ländern. Das Ergebnis überrascht kaum, denn Deutschland schneidet seit Jahren bei Themen wie Kinderarmut, Bildungsgerechtigkeit und Kindeswohl schlecht ab. Die Studie untersucht insbesondere die körperliche und psychische Gesundheit sowie die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen.

Özgün Önal

Besonders alarmierend ist, dass jedes fünfte Kind in Deutschland armutsgefährdet ist. Gleichzeitig hat die Einkommensungleichheit in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: Während das Verhältnis zwischen den Einkommen des reichsten und ärmsten Fünftels der Bevölkerung 2012 noch bei 1:4,3 lag, liegt es heute bei 1:5. Laut UNICEF bedeutet dies, dass das reichste Fünftel der Bevölkerung über fünfmal so viel Einkommen verfügt wie das ärmste Fünftel.

Diese soziale Ungleichheit spiegelt sich deutlich im Bildungssystem wider. Nur etwa 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen grundlegende Kompetenzen in Lesen und Mathematik. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit hinten. Besonders gravierend sind die Unterschiede zwischen sozialen Gruppen: Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien erreichen deutlich seltener grundlegende Bildungsstandards als Jugendliche aus wohlhabenderen Haushalten.

Auch die gesundheitliche Situation hängt stark von der sozialen Lage ab. Kinder aus einkommensstarken Familien gelten wesentlich häufiger als gesundheitlich stabil als Kinder aus armen Familien. Finanzielle Unsicherheit belastet zudem Familien insgesamt und wirkt sich häufig negativ auf das Zusammenleben sowie die psychische Gesundheit von Kindern aus.

Kürzungen im Bildungsbereich verschärfen diese Probleme zusätzlich. Fehlende finanzielle Mittel führen dazu, dass individuelle Förderung und bedarfsorientierte Unterstützung wegfallen. Die Studie macht damit deutlich, dass sich soziale Ungleichheit unmittelbar auf die Lebensrealität und Zukunftschancen von Kindern auswirkt.

Auf Grundlage der Ergebnisse fordert UNICEF Deutschland ein stärkeres politisches Engagement für Kinder und Jugendliche. Dazu gehören eine wirksamere Bekämpfung von Kinderarmut, bessere Investitionen in Bildung, Gesundheit und Betreuung, kinderfreundlichere Lebensbedingungen sowie eine stärkere politische Vertretung von Kinderrechten. Außerdem fordert UNICEF eine bessere Datenerhebung, um politische Maßnahmen gezielter bewerten und verbessern zu können.

Diese Forderungen greifen auch viele Jugendliche selbst auf, etwa im Rahmen von Protesten gegen Wehrpflicht und Aufrüstung. Sie fordern mehr Investitionen in Bildung, Gesundheit und soziale Sicherheit statt weiterer Kürzungen und militärischer Aufrüstung. Die Studie zeigt insgesamt deutlich: Fehlende Unterstützung für Kinder und Familien gefährdet nicht nur einzelne Lebenswege, sondern langfristig auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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